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Schlagwort: makebabies

make more babies

Wenn Schwangerschaftsbücher zu Rate gezogen oder Angebote für Schwangere erstellt werden, richten sich diese ja meistens an Erstgebärende, denn bei ihnen gibt es natürlich noch einmal eine ganz andere Verunsicherung, andere Sorgen, ungeahnte überwältigende Gedanken, auf die sich nicht vorbereitet werden kann, als das in jeder weiteren Schwangerschaft der Fall sein wird. 

Diese aufregenden und verunsichernden Gefühle bleiben beim ersten Kind dann ja auch meistens auch erst einmal bestehen und stellen uns täglich vor neue Herausforderungen, auch wenn das Kind bereits da ist, denn seien wir ehrlich, wenn die eigene Erwerbstätigkeit nicht gerade in einem Bereich mit kleinen Kindern angesiedelt ist, wir engen Kontakt zu Familienmitgliedern mit Babies oder wirklich ganz kleine Geschwister haben, haben und hatten wir eigentlich in unserem bisherigen Alltag nichts mit Babies zu tun. Warum auch?

Alle Gefühle, alle Sorgen, alles Abstrakte ist also völlig normal und nachvollziehbar…

Alles einfacher bei jedem weiteren Mal?

Aber wie sieht es aus, wenn wir als Mehrfachgebärende (Was ist das eigentlich für ein Wort?!) uns mit unserer Schwangerschaft beschäftigen. Wie geht es uns nun dabei? 

Klar, wir kennen den Zustand bereits: Die Unsicherheiten zu Beginn, das Warten auf den ersten sichtbaren Bauchansatz und darauf, dass sich der Hormonspiegel einpendelt und z.B. die Sorgen vor einem Verlust langsam in den Hintergrund treten. Wir wissen (hoffentlich), dass wir uns frühzeitig um eine Hebamme und darum, wie wir unser Kind auf die Welt bringen wollen, kümmern sollten und wir haben eine ungefähre Idee davon, wie eine Geburt aussieht und wie es nach der Geburt weitergehen wird. 

Vieles, was in der ersten Schwangerschaft so neu und aufregend war, fällt weg, aber es kommen eben auch neue Gefühle, neue Gedanken und auch neue Sorgen hinzu, die nicht einfach so abgelegt werden können und sollten. Mal ganz abgesehen davon, können viele alte Erlebnisse und Emotionen getriggert werden, die nun erst aufgrund einer möglichen Wiederholung gelöst und verarbeitet werden wollen.

Was ist neu?

Mit zunehmender Kinderzahl, wobei es vielleicht auch gar nicht so sehr von der Anzahl, sondern auch vom Alter der anderen Kinder abhängt und auch da gibt es keine Norm, was besser oder schlechter sein könnte – es ist auch ehrlich gesagt vollkommen nebensächlich – haben wir kaum noch Zeit uns mit der Schwangerschaft, mit dem neuen Baby oder uns selbst zu beschäftigen. 

Das kann erleichternd sein, kann aber auch das Gefühl erzeugen, nicht hinterher zu kommen, etwas zu verpassen und wie oben bereits geschrieben, kann es passieren, dass nun manche Gefühle sogar mit aller Macht an die Oberfläche drängen und nun endlich bearbeitet werden wollen. Wir können sie auch trotz Zeitmangel nicht einfach verdrängen, sondern sollten die Auseinandersetzung suchen, denn dadurch können sie zu einem gesunden Zeitpunkt gut integriert werden und wir können sie neue Ressourcen bilden.

Denn auch bei jedem weiteren Baby stellt sich unser gesamtes Innenleben einmal mehr um und wir haben häufig neben den bekannten Schwangerschaftsbeschwerden auch ein emotionales Erleben, das Zeit braucht, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen oder eben alte Erlebnisse und Gefühle aufarbeiten möchte.

Wenn dann auch noch klar ist, dass es sich um die letzte Schwangerschaft handeln wird, dann fehlt uns auch manchmal die Zeit Abschied zu nehmen und zu trauern. Denn gerade diese Gefühle dürfen sein und benötigen ihren Raum.

Was passiert im emotionalen Erleben unserer Kinder?

Gleichzeitig taucht neben der Freude über das neue Baby auch die Sorge auf, den älteren Kindern nicht mehr so gerecht werden zu können, wie sie es vielleicht noch bräuchten. Vollkommen zurecht müssen wir uns auch bewusst darüber werden, dass wir ihre momentane Welt zerstören werden. Kinder entwickeln sich so, dass sich ihr inneres Erleben in Entwicklungsschritten immer wieder ihren Fähigkeiten und äußeren Begebenheiten anpasst. Sie können das gut und müssen das auch tun. Diese finden sehr regelmäßig statt und sind bei allen Kindern sehr ähnlich. Dennoch ist es für sie eine Herausforderung, die auch wir als Eltern deutlich zu spüren bekommen und eine weitere Erschütterung von außen ihrer sich immer wieder aufs Neue zurechtgelegten Welt, wird auch wieder einen Neuanfang für sie mit sich bringen und bei ihnen erst einmal das Gefühl auslösen, dass ihre alte Welt nicht mehr existiert. So ist es objektiv betrachtet ja auch. Das klingt hart, aber genauso fühlt es sich für sie an. Sie müssen ihre Eltern jetzt teilen. Sie wissen nicht, was passieren wird, sie trauern manchmal selbst noch um den symbiotischen Zustand und sie haben das Gefühl ersetzt zu werden.

(Mehr zu den Sprüngen ist nachzulesen in: Rijt, Hetty van de u.a. Oje, ich wachse! Von den zehn “Sprüngen” in der mentalen Entwicklung Ihres Kindes während der ersten 20 Monate und wie Sie damit umgehen können, Mosaik bei Goldmann; Auflage: 6., 2005.)

Was bedeutet es für uns selbst?

Für uns selbst ist es häufig übrigens, gerade weil wir es schon kennen, auch eine sehr verunsichernde Phase. Nur sieht die womöglich eben ein wenig anders aus als in der ersten Schwangerschaft.

Ein weiteres Familienmitglied wird noch einmal alles durcheinander wirbeln und es ist vorher nicht klar, wie das konkret aussehen und wo uns der Weg als Familie hinführen wird. Von einem weiteren Familienmitglied wird nämlich ziemlich viel betroffen: das Familienleben, die Paarbeziehung, die weitere Berufsplanung, der Wohnraum, die Transportoptionen… Das mag erst einmal alles nebensächlich wirken, kann aber auch sehr belasten. Denn der Organisationsaufwand mit mehreren Kindern kann schon noch mal deutlich größer ausfallen und wird definitiv auch eine größere Rolle spielen. Und meistens haben wir bereits einmal erlebt, wie anstrengend es sein kann, einen gemeinsamen Weg zu finden, der allen gerecht wird.

Wie schon beschrieben, nehmen häufig auch Gedanken zu den Erfahrungen mit dem ersten Kind ihren Platz ein: Wird es wieder so? Was für eine Geburt werde ich diesmal erleben? Wiederholen sich (traumatische) Erlebnisse? – Gerade die letzten Frage belasten viele, die z.B, ein traumatisches Geburtserlebnis hatten oder die an einer postnatalen Depression erkrankt sind, oder sehr unter einem Babyblues und Überforderung zu leiden hatten. Wie wird es diesmal?

Und wenn es ganz anders wird, treffen uns vielleicht Schuldfragen, ob wir es beim ersten Mal nicht hätten ganz anders machen können und ob unser erstes Kind davon nun Schaden nehmen wird.

Ich denke, es gibt noch viele weitere Gedanken und Sorgen, die während einer Schwangerschaft mit dem zweiten, dritten, vierten … Kind beschäftigen.

Wie kann ich diesen Gefühlen begegnen?

Wichtig finde ich, dass diese Zweifel und Sorgen genauso sein dürfen, wie die Freude. Und es darf erlaubt sein, zu trauern, dass so wenig Zeit gefunden wird, dass der Bauch so schnell wächst und ein kleines bißchen neidisch auf junge Erstgebärende zu sein, auch wenn wir im Leben nicht mehr tauschen wollen würden.

Sich bewusst Zeit nehmen für diese neue Umstellung, für diese Schwangerschaft, für dieses Leben ist eine Herausforderung, der wir aber nachgehen sollten, um daraus Kraft zu schöpfen und sie für uns zu lösen. Klar, die Zeit wird nicht mehr, aber das kann nämlich auch ebenso gut ausgelagert werden (auch das haben wir mit unseren anderen Kindern bereits gelernt). 

Wenn wir es zuhause in unserem Alltag nicht schaffen, uns die Zeit zu nehmen, dann wäre es doch eine gute Idee, sich woanders damit zu beschäftigen und so dem Alltag nicht nur durch den Ausnahmezustand der Schwangerschaft und der Babyzeit zu entfliehen, sondern etwas bewusst für uns und für unser Baby zu tun. Es zahlt sich aus!

Ich biete Kunsttherapie an. Genauso gut kommt aber auch prä- oder postnatales Yoga, ein fest in den Wochenplan integrierter Spaziergang, ein Maltagebuch oder ähnliches in Frage. Ihr werdet schnell sehen, dass es gut tut!


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make yourself a good enough woman*

Was bewegt uns dazu “gute Schwangere”, “gute Mütter”, „gute Partner*innen“ oder “gute Töchter” sein zu wollen?

Dabei meine ich nicht, dass wir nicht für unsere Kinder, Partner*innen, Eltern etc. da sein wollen, sondern ich meine es in dem Sinn, dass wir, um es vermeintlich anderen recht zu machen oder einem gesellschaftlichen Bild zu entsprechen, über uns selbst hinweggehen, tapfer lächeln, obwohl uns eigentlich zum Weinen zumute ist, an unsere persönlichen Grenzen oder darüber hinausgehen oder uns anders verhalten, als es unserem Bauchgefühl entspricht.

Wie viele gibt es unter uns, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie ihre Schwangerschaft nicht genießen können, obwohl sie sich doch so sehr ein Kind gewünscht haben und dennoch will sich das Gefühl einfach nicht einstellen?

Wie viele Töchter gibt es, die ihren Müttern zuliebe doch ins Krankenhaus gehen, obwohl sie eigentlich ein Geburtshaus oder sogar eine Hausgeburt vorgezogen hätten?

Wie oft haben sich Mütter, die einen Kaiserschnitt hatten, hundeelend gefühlt und wussten nicht, wohin mit sich, und dennoch haben sie allen recht gegeben, die sagten, dass doch die Hauptsache ist, dass es allen gut geht?

Oder was ist mit den Frauen, die sich rechtfertigen zu müssen, weil sie bereits nach ein paar Wochen oder Monaten abgestillt oder gar nicht gestillt haben?

Natürlich sind das keine Phänomene, die plötzlich im Bereich des Kinderkriegens auftauchen. Wir kennen sie aus vielen anderen Bereichen. Bereits ab dem Kleinkindalter haben wir gelernt, uns angepasst zu verhalten, wie es von uns erwartet wurde, denn abhängig von den jeweiligen elterlichen Erziehungsstilen gab es uns mehr oder weniger das Gefühl dazu zu gehören oder lieb gehabt zu werden. Bei manchen war das ausgebildeter und manchmal auch notwendiger als bei anderen und bei vielen hat es sich zu bestimmten Glaubenssätzen manifestiert.

Aber nicht nur das familiäre Umfeld hat und hatte Einfluss auf unser Selbstbild, unsere Identität und unser Verhalten. Gerade gesellschaftliche Bilder, Medien, Werbung, Schule, manchmal auch Kirche oder ähnliches haben uns sehr stark darin geprägt, wie wir uns selbst sehen wollen oder wohin wir uns bewegt haben. Wir sind mit dem Gefühl aufgewachsen, bestimmten Erwartungen entsprechen zu müssen, um uns gut in die Gesellschaft einzufügen.

Dennoch stoßen wir immer wieder auf Situationen im Leben, die nicht zu uns zu passen scheinen, die uns zur Verzweiflung bringen, weil wir eben nicht den Bildern entsprechen, die an allen Ecken zwicken und drücken und in denen wir uns bewusst werden, dass wir nicht nach unseren eigenen Bedürfnissen handeln.

Gerade im Zusammenhang mit Kindern, wo Authentizität und Natürlichkeit so hoch angesetzt werden, merken wir häufiger, dass das, wie wir uns verhalten oder verhalten haben, ganz weit weg von uns ist. Und dieser Zwiespalt führt dann leider dazu, dass wir uns elend fühlen und ein schlechtes Gewissen entwickeln und den Fehler bei uns suchen. Wir wollen nicht, dass es auf uns zurück fällt, denn eigentlich wollen wir doch nur nach wie vor unbedingt selbst geliebt werden und dazu gehören.

Um aber für unsere Kinder da zu sein, reicht es vollkommen aus, eine ausreichend gute Mutter (nach Donald Winnicott, englischer Kinderarzt und Psychoanalytiker, 1896 – 1971) zu sein. Die „ausreichend gute Mutter“ („good enough mother“)[1] ist in der Lage, auf die Bedürfnisse ihres Babys einzugehen, zumindest so weit, dass sich das Baby nie komplett verlassen fühlt. Und das ist das Entscheidende daran.

Es geht nicht darum, es allen recht zu machen, es ist aber auch einem bedürfnisorientierten Zusammenleben nicht entgegengesetzt, sondern es geht darum, da zu sein, den wichtigsten Bedürfnissen nachzukommen, zu verstehen und auch Konflikte, Krisen und Frustration auszuhalten. Denn um diese können und dürfen wir und unsere Kinder auch nicht herumkommen.

Das sollten wir uns immer vor Augen führen und das können wir auch gut auf alle anderen Lebensumstände ummünzen: Wir sollten uns vornehmen, eine genügend gute Frau zu sein.

Denn dann können wir verstehen, dass unsere eigenen Bedürfnisse, Gefühle und unser Handeln da sind und wie wir sie selbstbestimmt umsetzen können. Sie mögen sich für andere vielleicht nicht richtig anfühlen, ihnen Angst oder sie sprachlos machen, aber wir gehen einer Diskussion nicht aus dem Weg. Wir helfen unserem Gegenüber dabei, mehr zu verstehen, neue Einblicke zu erhalten und wir wachsen selbst über uns hinaus. Dadurch verinnerlichen wir neue Muster und können uns vielleicht beim übernächsten Mal schon ein bißchen weniger mit uns selbst beschäftigen.

Es geht aber auch nicht darum, egoistisch – egal was kommt – unseren eigenen Weg durchzuboxen, sondern es geht darum, zumindest Kompromisse zu finden, die eben für alle ausreichende Optionen bereithalten und wenn sie nicht zu Verständnis führen, dann zumindest eine erwachsene Gesprächsebene bieten. Das wichtige, und das gilt insbesondere bei Kindern, ist in Beziehung zu bleiben.

Unsere Bedürfnisse, Gefühle und unser Handeln sind nämlich in Ordnung und dürfen sein. Gerade im Bereich Kinderkriegen ist es wichtig, dass wir unseren eigenen Weg finden und ihn auch gehen können. Das sind wir uns und unseren Kindern schuldig und auch nur darüber werden wir zu ausreichend guten Eltern. Es ist mit Sicherheit nicht der einfachste Weg, aber es lohnt sich ihn zu gehen.

Kennt Ihr das? Oder befindet Ihr Euch schon auf dem Weg. Wie geht es Euch damit?

 

[1] Winnicott, Donald: Transitional objects and transitional phenomena, in: International Journal of Psychoanalysis, 34, 1953, S. 89–97.

 

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