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Schlagwort: Kaiserschnitt

Selbsterfahrungsworkshop: Meine Bauchgeburt

Frauen, die ihr Kind mit Hilfe einer Sectio geboren haben, verbinden mit der Geburt meist ein im wahrsten Sinne des Wortes einschneidendes Erlebnis.

Neben der körperlichen Heilung, den vielen Veränderungen und den teilweise überwältigenden Emotionen, die ein neues Familienmitglied mit sich bringt, können oftmals auch Gefühle wie Enttäuschung, Neid, das Gefühl Versagt-zu-haben, Selbstzweifel, Scham, Schmerz, Trauer etc. auftauchen. Das Geschehene beansprucht seinen Raum und Worte wie “Hauptsache alle sind gesund” sind eher frustrierend (weil sie nicht immer so empfunden werden können) als besänftigend. Zeit für einen ehrlichen Austausch scheint zu fehlen und schnell stellen wir fest, dass wir meist versuchen, uns sofort zu rechtfertigen und Gründe für diesen Weg der Geburt zu finden, als ihn einfach anzunehmen. Denn Neutralität scheint es hier nicht zu geben und wir begegnen nach wie vor vielen Vorurteilen, die wir auch in uns selbst tragen und mit unserem Erlebten erst in Einklang bringen müssen. Unsere wirklichen, eigenen negativen aber eben auch positiven Gefühle kommen dabei oft zu kurz, drängen aber umso deutlicher an die Oberfläche und wollen, dass wir uns mit ihnen beschäftigen.


Ich möchte Dich dazu einladen, einen kreativen Tag im Kreis anderer Frauen zu verbringen, die ebenfalls einen Kaiserschnitt erlebt haben.

In meinem Atelier findet Ihr den Raum, Euch kreativ mit Euren Erlebnissen und Gefühlen auseinanderzusetzen, Euch auszutauschen, kennenzulernen, zu reflektieren und eben auch künstlerisch zu arbeiten.

Denn das kann ein Weg sein, vieles zu klären, den Kopf frei zu machen, zu reflektieren, zu trauern und neue Kräfte zu sammeln.

Im Workshop hast Du die Möglichkeit, Einblicke in verschiedene künstlerische Materialien zu bekommen sowie ausgiebig Zeit, diese auszuprobieren und damit zu arbeiten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles darf geschehen, nichts muss.
Am Ende lade ich Dich dazu ein, den Prozess und die Erfahrungen gemeinsam in kleiner Runde zu reflektieren und auf die Bilder zu gucken, die entstanden sind, wenn Du das möchtest.

Es sind keine künstlerischen Erfahrungen nötig.


Kosten:

80 € pro Person inklusive Material

Die entstandenen Werke können selbstverständlich im Anschluss mit nach Hause genommen werden. Für Getränke und kleine Snacks ist gesorgt.

Insgesamt gibt es 6 Plätze.


Termin:

23. November 2019 , 10 bis 15 Uhr (5h)


Ort: 

Atelier Liebenwalder Straße 33, 13347 Berlin-Wedding


Anmeldungen bitte an mail@hannahelsche.de.

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make aware your sectio is birth

Lasst uns über Kaiserschnitte reden oder auch sectio, sectio caesarea, Bauchschnitt oder Bauchgeburt.

Ich persönlich mag den Begriff Bauchgeburt. Denn auch eine Bauchgeburt ist eben eine Geburt. Dennoch hat auch der Begriff Kaiserschnitt seine Berechtigung, denn für viele ist er erst einmal ein im wahrsten Sinne des Wortes einschneidendes Erlebnis. 

Mütter, die eine Sectio hatten, haben genauso geboren wie alle anderen Mütter auch. Nur ist dieses Bewusstsein für sie häufig nicht sofort greifbar und die Überraschung oder auch Enttäuschung lange Zeit zu groß, um das sehen zu können. 

Das hat auch viel mit öffentlicher Wahrnehmung und vorschnellen Urteilen zu tun: Ein Kaiserschnitt hat den Ruf „Es sich leicht gemacht zu haben“ und bei vielen Frauen stellt sich schnell das Gefühl ein, versagt zu haben, egal welche Geburtsgeschichte sie und ihr Baby geschrieben haben und egal, was sie für ihr Kind auf sich genommen hat, um es gesund auf die Welt zu bringen. 

Es ist ohne Zweifel eine medizinische Errungenschaft, dass es die Möglichkeit der „sectio caesarea“ gibt. Vielen Müttern und Kindern wurde damit das Leben gerettet. Die Indikationen können absolut oder relativ sein, getroffen werden sie von den betreuenden Geburtshelfer*innen und Ärzt*innen.

Laut statistischem Bundesamt hatten wir in Deutschland 2017 eine Kaiserschnittrate von 30,5%[1]. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält dagegen eine Quote von 10 bis 15% für ausreichend und medizinisch notwendig.[2]Zwischen 1991 und 2011 hat sich die Kaiserschnittzahl in Deutschland verdoppelt,[3]im Vergleich dazu hat sich übrigens die Mütter- und Kindersterblichkeit nicht groß verändert[4]und auch die Zahl der Wunschkaiserschnitte liegt bei unter 5%.[5]

Bei der Suche nach Gründen für die steigenden Kaiserschnittraten lässt sich immer wieder feststellen, dass in den Krankenhäusern Vergütung duch Fallpauschalen, Wirtschaftlichkeit, Personalmangel, Ängste vor Schadensersatzzahlungen befeuert auch durch hohe Haftpflichtprämien und damit verbunden viel zu viele Interventionen, so genannte Interventionskaskaden, eine Rolle spielen.[6]Bei 80 – 90 % der Geburten via Bauchschnitt liegen übrigens relative Indikationen vor.[7]

Die Fakten beschreiben dabei aber in keiner Weise, welche weitreichenden Folgen so ein operativer Eingriff für Körper und die Seele von mindestens zwei Menschen[8]haben kann und wie wir uns präventiv darauf vorbereiten können. Denn was ich sehr wichtig finde klarzustellen: Frauen dürfen im Hinblick auf die genannten Zahlen auf keinen Fall anfangen, eine eventuelle Schuld – sollte es die überhaupt geben – bei sich zu suchen! Diese Frauen haben nämlich alles gegeben, um ihr Kind gesund auf die Welt zu bringen! Und zu sagen, dass sie sich nur einfach für eine andere Art der Geburt hätten entscheiden sollen, ist zu simpel, zu wenig durchdacht und wird in Zeiten eines teils dramatischen Hebammenmangels zur Farce.

Im Übrigen kann eine primäre Bauchgeburt oder auch ein Wunschkaiserschnitt eine sehr selbstbestimmte, positive Erfahrung sein. Denn wirklich jede Geburt ist anders und jede Frau und jedes Baby ebenfalls.

Momentan können wir nur bei der Beschäftigung mit der bevorstehenden Geburt erfahren, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einer Bauchgeburt zu entbinden, durchaus im Bereich des Möglichen liegt. 

Aber vor der Geburt gehen die wenigsten davon aus, ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen. Viele blenden den Gedanken daran vollkommen aus, manche haben Angst davor und in Geburtsvorbereitungskursen wird meist nur am Rande darüber gesprochen und die Bauchgeburt als möglicher Ausweg erwähnt, ohne dass es zu einer Aufklärung, wann es dazu kommt, was dabei passiert, welche Techniken es gibt, welche Risiken, wie es sich anfühlen könnte und wie es danach weitergehen kann, kommt. Viele Folgen, insbesondere psychische wie z.B. Bindungsprobleme, depressive Verstimmungen aber auch Stillprobleme, könnten aber bereits hier präventiv abgemildert werden.

Das das zur Zeit zu wenig passiert, führt leider auch dazu, dass Frauen das Gefühl haben, dass ihnen eine Sectio wie ein Unfall zustößt und sie nicht mehr das Gefühl haben, selbstbestimmt an der Geburt teilgenommen zu haben. Viele Frauen wurden bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie operiert. Sie haben sich auf etwas anderes vorbereitet und sehen sich nun gleich mehreren vollkommen neuen Situationen, die sie bewältigen müssen – schließlich haben sie ja auch noch ein Kind geboren –, gegenüber.

Oft ist es für betroffene Frauen ein ziemlich langer, manchmal auch schmerzhafter Weg die Erlebnisse zu integrieren, gerade dann, wenn es sich um eine sekundäre Sectio (also ein Kaiserschnitt nach einem natürlichen Wehenbeginn) oder Resectio (ein wiederholter Kaiserschnitt, häufig auch sekundär) handelte oder gar um einen Notkaiserschnitt (ein Kaiserschnitt der plötzlich meist unter Vollnarkose und sofort zur Rettung von Mutter und/oder Kind gemacht werden muss). 

Irgendwann wird vielleicht gelernt, die Tatsache an und für sich zu akzeptieren, dennoch leiden viele Mütter oft noch lange darunter. Denn eine Kaiserschnittgeburt zieht so viel mehr nach sich, als es zunächst den Anschein hat. 

Häufig haben die Frauen – zumindest bei einer sekundären Sectio – nicht nur das Gefühl, um das Erlebnis der vaginalen Geburt gebracht worden zu sein, sondern niemand kann ihnen das Gefühl wiedergeben, um ganz viele andere erste Male gebracht worden zu sein, wie z.B. das erste Mal zu wickeln oder das erste Mal zu tragen. Ganz natürliche Tätigkeiten eben, die eine neugeborene Mutter für sich und ihr Baby machen möchte. Aber mit der Wunde nach einer großen Bauch-OP verhält es sich ein wenig anders als mit Geburtsverletzungen, denn u.a. wurden alle Muskeln ja erst einmal durchtrennt und mit den Schmerzen, die nach der Geburt durch Luft im Bauch entstehen kann es keine Nachwehe aufnehmen (mal abgesehen davon, dass Nachwehen natürlich auch noch dazu kommen). Die Mutter kann also im schlimmsten Fall bereits mit der Geburt das Gefühl haben, eine versagende Mutter zu sein, die nicht einmal in der Lage ist, ihr Baby zu versorgen. Das widerspricht vollkommen ihren Bedürfnissen.

Bei einem Notkaiserschnitt unter Vollnarkose wird es noch drastischer, weil sowohl die Mutter von der Geburt nichts mitbekommt, als auch das Kind narkotisiert auf die Welt kommt. Den ersten Schrei hören nur die betreuende Hebamme und zuständige Ärzt*innen, das erste Bonding übernimmt der Vater und das Baby kommt anstatt aus dem Bauch, wo es bis gerade noch war, zur Tür herein. Ein Erlebnis, was erst einmal im Kopf ankommen muss. Denn die Vorstellung ein Kind im Bauch zu tragen, bleibt ja doch meist trotz der Kindsbewegungen und augenscheinlicher körperlicher Veränderungen etwas Abstraktes unabhängig von der Art der Geburt. 

Für den Vater kann eine Bauchgeburt mit Sicherheit ein einzigartiges, wundervolles Erlebnis und  eine sehr gute Voraussetzung für eine gute Bindung sein, aber eigentlich haben sich beide frischgebackenen Eltern darauf gefreut, gemeinsam Ihr Kind zu begrüßen und auch die Emotionen des jeweils anderen Partners* zu erleben. 

All diese Erlebnisse verschärfen das Gefühl versagt zu haben und das Gefühl, dass der Start sich irgendwie falsch anfühlt, da diese vielen einzelnen Situationen nicht noch einmal zum ersten Mal oder überhaupt stattfinden werden und doch gerade die ersten Male und Minuten für Mutter und Kind so wichtig sein sollen.

Alles mal ganz abgesehen davon, dass sich die Ausnahmesituation der Geburt noch einmal mehr in eine Ausnahmesituation verwandelt, denn das Gefühl mit ausgebreiteten Armen auf einem OP-Tisch festgeschnallt zu liegen und aufgeschnitten zu werden, ruft ja erst einmal Panik und das Bedürfnis nach Flucht hervor. Mal abgesehen davon, dass sich viele Frauen vorstellen, wie sie das Baby nackt, nass, klebrig mit beiden Armen in Empfang nehmen werden. Manchmal findet auch kurz nach der Geburt eine Trennung zwischen Mutter und Kind und manchmal auch dem Vater statt. Das Gefühl des Alleinseins kann einsetzen, denn die Impulse sind definitiv andere.

Der Schmerz über diese Erlebnisse wird irgendwann leichter werden und die Beziehung zu Eurem Kind wird noch viele erste Male beinhalten. 

Außerdem könnt Ihr Euch aktiv mit dem Schmerz auseinandersetzen und vor allem: Er darf sein! 

Ja, Baugeburt ist Geburt. Es handelt sich nämlich um Eure gemeinsame Geburtsgeschichte, die Euch für immer verbinden wird.

Aber es ist vollkommen in Ordnung deswegen traurig, enttäuscht oder wütend zu sein. 

Deswegen solltet Ihr die Geburt und Eure Gefühle nicht verdrängen oder Euch dafür schämen. Es ist wichtig, die Trauer zuzulassen und Euch mit Euren Gefühlen, Ängsten und Sorgen auseinanderzusetzen. Achtet darauf, dass Ihr Euch Hilfe sucht, wenn Ihr merkt, dass die Gefühle Überhand nehmen, wenn Ihr an nichts anderes denken könnt, wenn der Raum, den sie einnehmen, von Euch nicht mehr haltbar ist. Das gilt auch dann, wenn die Erlebnisse Einfluss auf Euer Verhältnis zu Eurem Baby oder Eurem*Eurer Partner*in haben und Ihr Euch dabei ertappt, ihnen die Schuld zu geben. Sprecht mit Euren Partner*innen darüber. Eventuell leiden sie auch und Ihr fühlt Euch schon nicht mehr ganz so alleine. Sucht ein gutes Nachgespräch mit Eurer Hebamme, besteht darauf, es nicht abzutun, sondern Euch dafür Zeit zu nehmen, bereitet Euch gut auf eine mögliche nächste Geburt vor.

Es gibt Möglichkeiten einen befriedenden Umgang mit Euren Erlebnissen und Euren Gefühlen zu finden, es gibt Therapiemöglichkeiten, es ist nicht sofort pathologisch. 

Ihr müsst da auch nicht alleine durch! Ihr seid nämlich nicht alleine.

Quellen/Literaturtipps:

Sahib, Tanja: Es ist vorbei – ich weiß es nur noch nicht. Bewältigung traumatischer Geburtserfahrungen, Books on demand 2016.

Taschner, Ute, Scheck, Kathrin: Meine Wunschgeburt. Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt: Begleitbuch für Schwangere, ihre Partner und geburtshilfliche Fachpersonen, Salzburg 2012.

Oblasser, Carolin: Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht. Fotobuch, Wegweiser und Erfahrungsschatzaus Sicht von Müttern und geburtshilflichen ExpertInnen, Salzburg 2008.

https://www.destatis. de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/09/PD18_349_231.html(31.01.2019)


[1]https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/09/PD18_349_231.html(31.01.2019)

[2]Taschner, Ute, Scheck, Kathrin: Meine Wunschgeburt. Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt: Begleitbuch für Schwangere, ihre Partner und geburtshilfliche Fachpersonen, Salzburg 2012, S. 23.

[3]Ebd. S. 20.

[4]Ebd., S. 33.

[5]Ebd., S. 29.

[6]Ebd., S. 23 ff.

[7]Ebd., S. 22.

[8]Ebd., S. 30 ff.

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