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Schlagwort: Geburt

Selbsterfahrungsworkshop: Meine Bauchgeburt

Frauen, die ihr Kind mit Hilfe einer Sectio geboren haben, verbinden mit der Geburt meist ein im wahrsten Sinne des Wortes einschneidendes Erlebnis.

Neben der körperlichen Heilung, den vielen Veränderungen und den teilweise überwältigenden Emotionen, die ein neues Familienmitglied mit sich bringt, können oftmals auch Gefühle wie Enttäuschung, Neid, das Gefühl Versagt-zu-haben, Selbstzweifel, Scham, Schmerz, Trauer etc. auftauchen. Das Geschehene beansprucht seinen Raum und Worte wie “Hauptsache alle sind gesund” sind eher frustrierend (weil sie nicht immer so empfunden werden können) als besänftigend. Zeit für einen ehrlichen Austausch scheint zu fehlen und schnell stellen wir fest, dass wir meist versuchen, uns sofort zu rechtfertigen und Gründe für diesen Weg der Geburt zu finden, als ihn einfach anzunehmen. Denn Neutralität scheint es hier nicht zu geben und wir begegnen nach wie vor vielen Vorurteilen, die wir auch in uns selbst tragen und mit unserem Erlebten erst in Einklang bringen müssen. Unsere wirklichen, eigenen negativen aber eben auch positiven Gefühle kommen dabei oft zu kurz, drängen aber umso deutlicher an die Oberfläche und wollen, dass wir uns mit ihnen beschäftigen.


Ich möchte Dich dazu einladen, einen kreativen Tag im Kreis anderer Frauen zu verbringen, die ebenfalls einen Kaiserschnitt erlebt haben.

In meinem Atelier findet Ihr den Raum, Euch kreativ mit Euren Erlebnissen und Gefühlen auseinanderzusetzen, Euch auszutauschen, kennenzulernen, zu reflektieren und eben auch künstlerisch zu arbeiten.

Denn das kann ein Weg sein, vieles zu klären, den Kopf frei zu machen, zu reflektieren, zu trauern und neue Kräfte zu sammeln.

Im Workshop hast Du die Möglichkeit, Einblicke in verschiedene künstlerische Materialien zu bekommen sowie ausgiebig Zeit, diese auszuprobieren und damit zu arbeiten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles darf geschehen, nichts muss.
Am Ende lade ich Dich dazu ein, den Prozess und die Erfahrungen gemeinsam in kleiner Runde zu reflektieren und auf die Bilder zu gucken, die entstanden sind, wenn Du das möchtest.

Es sind keine künstlerischen Erfahrungen nötig.


Kosten:

Frühbucherrabatt: 72 € (bis einschließlich 15. September)

80 € pro Person

Das Material ist im Preis inbegriffen und die entstandenen Werke können selbstverständlich im Anschluss mit nach Hause genommen werden. Für Getränke und kleine Snacks ist gesorgt.

Insgesamt gibt es 6 Plätze.


Termin:

23. November 2019 , 10 bis 15 Uhr (5h)


Ort: 

Atelier Liebenwalder Straße 33, 13347 Berlin-Wedding


Anmeldungen bitte an mail@hannahelsche.de.

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make more babies

Wenn Schwangerschaftsbücher zu Rate gezogen oder Angebote für Schwangere erstellt werden, richten sich diese ja meistens an Erstgebärende, denn bei ihnen gibt es natürlich noch einmal eine ganz andere Verunsicherung, andere Sorgen, ungeahnte überwältigende Gedanken, auf die sich nicht vorbereitet werden kann, als das in jeder weiteren Schwangerschaft der Fall sein wird. 

Diese aufregenden und verunsichernden Gefühle bleiben beim ersten Kind dann ja auch meistens auch erst einmal bestehen und stellen uns täglich vor neue Herausforderungen, auch wenn das Kind bereits da ist, denn seien wir ehrlich, wenn die eigene Erwerbstätigkeit nicht gerade in einem Bereich mit kleinen Kindern angesiedelt ist, wir engen Kontakt zu Familienmitgliedern mit Babies oder wirklich ganz kleine Geschwister haben, haben und hatten wir eigentlich in unserem bisherigen Alltag nichts mit Babies zu tun. Warum auch?

Alle Gefühle, alle Sorgen, alles Abstrakte ist also völlig normal und nachvollziehbar…

Alles einfacher bei jedem weiteren Mal?

Aber wie sieht es aus, wenn wir als Mehrfachgebärende (Was ist das eigentlich für ein Wort?!) uns mit unserer Schwangerschaft beschäftigen. Wie geht es uns nun dabei? 

Klar, wir kennen den Zustand bereits: Die Unsicherheiten zu Beginn, das Warten auf den ersten sichtbaren Bauchansatz und darauf, dass sich der Hormonspiegel einpendelt und z.B. die Sorgen vor einem Verlust langsam in den Hintergrund treten. Wir wissen (hoffentlich), dass wir uns frühzeitig um eine Hebamme und darum, wie wir unser Kind auf die Welt bringen wollen, kümmern sollten und wir haben eine ungefähre Idee davon, wie eine Geburt aussieht und wie es nach der Geburt weitergehen wird. 

Vieles, was in der ersten Schwangerschaft so neu und aufregend war, fällt weg, aber es kommen eben auch neue Gefühle, neue Gedanken und auch neue Sorgen hinzu, die nicht einfach so abgelegt werden können und sollten. Mal ganz abgesehen davon, können viele alte Erlebnisse und Emotionen getriggert werden, die nun erst aufgrund einer möglichen Wiederholung gelöst und verarbeitet werden wollen.

Was ist neu?

Mit zunehmender Kinderzahl, wobei es vielleicht auch gar nicht so sehr von der Anzahl, sondern auch vom Alter der anderen Kinder abhängt und auch da gibt es keine Norm, was besser oder schlechter sein könnte – es ist auch ehrlich gesagt vollkommen nebensächlich – haben wir kaum noch Zeit uns mit der Schwangerschaft, mit dem neuen Baby oder uns selbst zu beschäftigen. 

Das kann erleichternd sein, kann aber auch das Gefühl erzeugen, nicht hinterher zu kommen, etwas zu verpassen und wie oben bereits geschrieben, kann es passieren, dass nun manche Gefühle sogar mit aller Macht an die Oberfläche drängen und nun endlich bearbeitet werden wollen. Wir können sie auch trotz Zeitmangel nicht einfach verdrängen, sondern sollten die Auseinandersetzung suchen, denn dadurch können sie zu einem gesunden Zeitpunkt gut integriert werden und wir können sie neue Ressourcen bilden.

Denn auch bei jedem weiteren Baby stellt sich unser gesamtes Innenleben einmal mehr um und wir haben häufig neben den bekannten Schwangerschaftsbeschwerden auch ein emotionales Erleben, das Zeit braucht, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen oder eben alte Erlebnisse und Gefühle aufarbeiten möchte.

Wenn dann auch noch klar ist, dass es sich um die letzte Schwangerschaft handeln wird, dann fehlt uns auch manchmal die Zeit Abschied zu nehmen und zu trauern. Denn gerade diese Gefühle dürfen sein und benötigen ihren Raum.

Was passiert im emotionalen Erleben unserer Kinder?

Gleichzeitig taucht neben der Freude über das neue Baby auch die Sorge auf, den älteren Kindern nicht mehr so gerecht werden zu können, wie sie es vielleicht noch bräuchten. Vollkommen zurecht müssen wir uns auch bewusst darüber werden, dass wir ihre momentane Welt zerstören werden. Kinder entwickeln sich so, dass sich ihr inneres Erleben in Entwicklungsschritten immer wieder ihren Fähigkeiten und äußeren Begebenheiten anpasst. Sie können das gut und müssen das auch tun. Diese finden sehr regelmäßig statt und sind bei allen Kindern sehr ähnlich. Dennoch ist es für sie eine Herausforderung, die auch wir als Eltern deutlich zu spüren bekommen und eine weitere Erschütterung von außen ihrer sich immer wieder aufs Neue zurechtgelegten Welt, wird auch wieder einen Neuanfang für sie mit sich bringen und bei ihnen erst einmal das Gefühl auslösen, dass ihre alte Welt nicht mehr existiert. So ist es objektiv betrachtet ja auch. Das klingt hart, aber genauso fühlt es sich für sie an. Sie müssen ihre Eltern jetzt teilen. Sie wissen nicht, was passieren wird, sie trauern manchmal selbst noch um den symbiotischen Zustand und sie haben das Gefühl ersetzt zu werden.

(Mehr zu den Sprüngen ist nachzulesen in: Rijt, Hetty van de u.a. Oje, ich wachse! Von den zehn “Sprüngen” in der mentalen Entwicklung Ihres Kindes während der ersten 20 Monate und wie Sie damit umgehen können, Mosaik bei Goldmann; Auflage: 6., 2005.)

Was bedeutet es für uns selbst?

Für uns selbst ist es häufig übrigens, gerade weil wir es schon kennen, auch eine sehr verunsichernde Phase. Nur sieht die womöglich eben ein wenig anders aus als in der ersten Schwangerschaft.

Ein weiteres Familienmitglied wird noch einmal alles durcheinander wirbeln und es ist vorher nicht klar, wie das konkret aussehen und wo uns der Weg als Familie hinführen wird. Von einem weiteren Familienmitglied wird nämlich ziemlich viel betroffen: das Familienleben, die Paarbeziehung, die weitere Berufsplanung, der Wohnraum, die Transportoptionen… Das mag erst einmal alles nebensächlich wirken, kann aber auch sehr belasten. Denn der Organisationsaufwand mit mehreren Kindern kann schon noch mal deutlich größer ausfallen und wird definitiv auch eine größere Rolle spielen. Und meistens haben wir bereits einmal erlebt, wie anstrengend es sein kann, einen gemeinsamen Weg zu finden, der allen gerecht wird.

Wie schon beschrieben, nehmen häufig auch Gedanken zu den Erfahrungen mit dem ersten Kind ihren Platz ein: Wird es wieder so? Was für eine Geburt werde ich diesmal erleben? Wiederholen sich (traumatische) Erlebnisse? – Gerade die letzten Frage belasten viele, die z.B, ein traumatisches Geburtserlebnis hatten oder die an einer postnatalen Depression erkrankt sind, oder sehr unter einem Babyblues und Überforderung zu leiden hatten. Wie wird es diesmal?

Und wenn es ganz anders wird, treffen uns vielleicht Schuldfragen, ob wir es beim ersten Mal nicht hätten ganz anders machen können und ob unser erstes Kind davon nun Schaden nehmen wird.

Ich denke, es gibt noch viele weitere Gedanken und Sorgen, die während einer Schwangerschaft mit dem zweiten, dritten, vierten … Kind beschäftigen.

Wie kann ich diesen Gefühlen begegnen?

Wichtig finde ich, dass diese Zweifel und Sorgen genauso sein dürfen, wie die Freude. Und es darf erlaubt sein, zu trauern, dass so wenig Zeit gefunden wird, dass der Bauch so schnell wächst und ein kleines bißchen neidisch auf junge Erstgebärende zu sein, auch wenn wir im Leben nicht mehr tauschen wollen würden.

Sich bewusst Zeit nehmen für diese neue Umstellung, für diese Schwangerschaft, für dieses Leben ist eine Herausforderung, der wir aber nachgehen sollten, um daraus Kraft zu schöpfen und sie für uns zu lösen. Klar, die Zeit wird nicht mehr, aber das kann nämlich auch ebenso gut ausgelagert werden (auch das haben wir mit unseren anderen Kindern bereits gelernt). 

Wenn wir es zuhause in unserem Alltag nicht schaffen, uns die Zeit zu nehmen, dann wäre es doch eine gute Idee, sich woanders damit zu beschäftigen und so dem Alltag nicht nur durch den Ausnahmezustand der Schwangerschaft und der Babyzeit zu entfliehen, sondern etwas bewusst für uns und für unser Baby zu tun. Es zahlt sich aus!

Ich biete Kunsttherapie an. Genauso gut kommt aber auch prä- oder postnatales Yoga, ein fest in den Wochenplan integrierter Spaziergang, ein Maltagebuch oder ähnliches in Frage. Ihr werdet schnell sehen, dass es gut tut!


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make aware your sectio is birth

Lasst uns über Kaiserschnitte reden oder auch sectio, sectio caesarea, Bauchschnitt oder Bauchgeburt.

Ich persönlich mag den Begriff Bauchgeburt. Denn auch eine Bauchgeburt ist eben eine Geburt. Dennoch hat auch der Begriff Kaiserschnitt seine Berechtigung, denn für viele ist er erst einmal ein im wahrsten Sinne des Wortes einschneidendes Erlebnis. 

Mütter, die eine Sectio hatten, haben genauso geboren wie alle anderen Mütter auch. Nur ist dieses Bewusstsein für sie häufig nicht sofort greifbar und die Überraschung oder auch Enttäuschung lange Zeit zu groß, um das sehen zu können. 

Das hat auch viel mit öffentlicher Wahrnehmung und vorschnellen Urteilen zu tun: Ein Kaiserschnitt hat den Ruf „Es sich leicht gemacht zu haben“ und bei vielen Frauen stellt sich schnell das Gefühl ein, versagt zu haben, egal welche Geburtsgeschichte sie und ihr Baby geschrieben haben und egal, was sie für ihr Kind auf sich genommen hat, um es gesund auf die Welt zu bringen. 

Es ist ohne Zweifel eine medizinische Errungenschaft, dass es die Möglichkeit der „sectio caesarea“ gibt. Vielen Müttern und Kindern wurde damit das Leben gerettet. Die Indikationen können absolut oder relativ sein, getroffen werden sie von den betreuenden Geburtshelfer*innen und Ärzt*innen.

Laut statistischem Bundesamt hatten wir in Deutschland 2017 eine Kaiserschnittrate von 30,5%[1]. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält dagegen eine Quote von 10 bis 15% für ausreichend und medizinisch notwendig.[2]Zwischen 1991 und 2011 hat sich die Kaiserschnittzahl in Deutschland verdoppelt,[3]im Vergleich dazu hat sich übrigens die Mütter- und Kindersterblichkeit nicht groß verändert[4]und auch die Zahl der Wunschkaiserschnitte liegt bei unter 5%.[5]

Bei der Suche nach Gründen für die steigenden Kaiserschnittraten lässt sich immer wieder feststellen, dass in den Krankenhäusern Vergütung duch Fallpauschalen, Wirtschaftlichkeit, Personalmangel, Ängste vor Schadensersatzzahlungen befeuert auch durch hohe Haftpflichtprämien und damit verbunden viel zu viele Interventionen, so genannte Interventionskaskaden, eine Rolle spielen.[6]Bei 80 – 90 % der Geburten via Bauchschnitt liegen übrigens relative Indikationen vor.[7]

Die Fakten beschreiben dabei aber in keiner Weise, welche weitreichenden Folgen so ein operativer Eingriff für Körper und die Seele von mindestens zwei Menschen[8]haben kann und wie wir uns präventiv darauf vorbereiten können. Denn was ich sehr wichtig finde klarzustellen: Frauen dürfen im Hinblick auf die genannten Zahlen auf keinen Fall anfangen, eine eventuelle Schuld – sollte es die überhaupt geben – bei sich zu suchen! Diese Frauen haben nämlich alles gegeben, um ihr Kind gesund auf die Welt zu bringen! Und zu sagen, dass sie sich nur einfach für eine andere Art der Geburt hätten entscheiden sollen, ist zu simpel, zu wenig durchdacht und wird in Zeiten eines teils dramatischen Hebammenmangels zur Farce.

Im Übrigen kann eine primäre Bauchgeburt oder auch ein Wunschkaiserschnitt eine sehr selbstbestimmte, positive Erfahrung sein. Denn wirklich jede Geburt ist anders und jede Frau und jedes Baby ebenfalls.

Momentan können wir nur bei der Beschäftigung mit der bevorstehenden Geburt erfahren, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einer Bauchgeburt zu entbinden, durchaus im Bereich des Möglichen liegt. 

Aber vor der Geburt gehen die wenigsten davon aus, ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen. Viele blenden den Gedanken daran vollkommen aus, manche haben Angst davor und in Geburtsvorbereitungskursen wird meist nur am Rande darüber gesprochen und die Bauchgeburt als möglicher Ausweg erwähnt, ohne dass es zu einer Aufklärung, wann es dazu kommt, was dabei passiert, welche Techniken es gibt, welche Risiken, wie es sich anfühlen könnte und wie es danach weitergehen kann, kommt. Viele Folgen, insbesondere psychische wie z.B. Bindungsprobleme, depressive Verstimmungen aber auch Stillprobleme, könnten aber bereits hier präventiv abgemildert werden.

Das das zur Zeit zu wenig passiert, führt leider auch dazu, dass Frauen das Gefühl haben, dass ihnen eine Sectio wie ein Unfall zustößt und sie nicht mehr das Gefühl haben, selbstbestimmt an der Geburt teilgenommen zu haben. Viele Frauen wurden bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie operiert. Sie haben sich auf etwas anderes vorbereitet und sehen sich nun gleich mehreren vollkommen neuen Situationen, die sie bewältigen müssen – schließlich haben sie ja auch noch ein Kind geboren –, gegenüber.

Oft ist es für betroffene Frauen ein ziemlich langer, manchmal auch schmerzhafter Weg die Erlebnisse zu integrieren, gerade dann, wenn es sich um eine sekundäre Sectio (also ein Kaiserschnitt nach einem natürlichen Wehenbeginn) oder Resectio (ein wiederholter Kaiserschnitt, häufig auch sekundär) handelte oder gar um einen Notkaiserschnitt (ein Kaiserschnitt der plötzlich meist unter Vollnarkose und sofort zur Rettung von Mutter und/oder Kind gemacht werden muss). 

Irgendwann wird vielleicht gelernt, die Tatsache an und für sich zu akzeptieren, dennoch leiden viele Mütter oft noch lange darunter. Denn eine Kaiserschnittgeburt zieht so viel mehr nach sich, als es zunächst den Anschein hat. 

Häufig haben die Frauen – zumindest bei einer sekundären Sectio – nicht nur das Gefühl, um das Erlebnis der vaginalen Geburt gebracht worden zu sein, sondern niemand kann ihnen das Gefühl wiedergeben, um ganz viele andere erste Male gebracht worden zu sein, wie z.B. das erste Mal zu wickeln oder das erste Mal zu tragen. Ganz natürliche Tätigkeiten eben, die eine neugeborene Mutter für sich und ihr Baby machen möchte. Aber mit der Wunde nach einer großen Bauch-OP verhält es sich ein wenig anders als mit Geburtsverletzungen, denn u.a. wurden alle Muskeln ja erst einmal durchtrennt und mit den Schmerzen, die nach der Geburt durch Luft im Bauch entstehen kann es keine Nachwehe aufnehmen (mal abgesehen davon, dass Nachwehen natürlich auch noch dazu kommen). Die Mutter kann also im schlimmsten Fall bereits mit der Geburt das Gefühl haben, eine versagende Mutter zu sein, die nicht einmal in der Lage ist, ihr Baby zu versorgen. Das widerspricht vollkommen ihren Bedürfnissen.

Bei einem Notkaiserschnitt unter Vollnarkose wird es noch drastischer, weil sowohl die Mutter von der Geburt nichts mitbekommt, als auch das Kind narkotisiert auf die Welt kommt. Den ersten Schrei hören nur die betreuende Hebamme und zuständige Ärzt*innen, das erste Bonding übernimmt der Vater und das Baby kommt anstatt aus dem Bauch, wo es bis gerade noch war, zur Tür herein. Ein Erlebnis, was erst einmal im Kopf ankommen muss. Denn die Vorstellung ein Kind im Bauch zu tragen, bleibt ja doch meist trotz der Kindsbewegungen und augenscheinlicher körperlicher Veränderungen etwas Abstraktes unabhängig von der Art der Geburt. 

Für den Vater kann eine Bauchgeburt mit Sicherheit ein einzigartiges, wundervolles Erlebnis und  eine sehr gute Voraussetzung für eine gute Bindung sein, aber eigentlich haben sich beide frischgebackenen Eltern darauf gefreut, gemeinsam Ihr Kind zu begrüßen und auch die Emotionen des jeweils anderen Partners* zu erleben. 

All diese Erlebnisse verschärfen das Gefühl versagt zu haben und das Gefühl, dass der Start sich irgendwie falsch anfühlt, da diese vielen einzelnen Situationen nicht noch einmal zum ersten Mal oder überhaupt stattfinden werden und doch gerade die ersten Male und Minuten für Mutter und Kind so wichtig sein sollen.

Alles mal ganz abgesehen davon, dass sich die Ausnahmesituation der Geburt noch einmal mehr in eine Ausnahmesituation verwandelt, denn das Gefühl mit ausgebreiteten Armen auf einem OP-Tisch festgeschnallt zu liegen und aufgeschnitten zu werden, ruft ja erst einmal Panik und das Bedürfnis nach Flucht hervor. Mal abgesehen davon, dass sich viele Frauen vorstellen, wie sie das Baby nackt, nass, klebrig mit beiden Armen in Empfang nehmen werden. Manchmal findet auch kurz nach der Geburt eine Trennung zwischen Mutter und Kind und manchmal auch dem Vater statt. Das Gefühl des Alleinseins kann einsetzen, denn die Impulse sind definitiv andere.

Der Schmerz über diese Erlebnisse wird irgendwann leichter werden und die Beziehung zu Eurem Kind wird noch viele erste Male beinhalten. 

Außerdem könnt Ihr Euch aktiv mit dem Schmerz auseinandersetzen und vor allem: Er darf sein! 

Ja, Baugeburt ist Geburt. Es handelt sich nämlich um Eure gemeinsame Geburtsgeschichte, die Euch für immer verbinden wird.

Aber es ist vollkommen in Ordnung deswegen traurig, enttäuscht oder wütend zu sein. 

Deswegen solltet Ihr die Geburt und Eure Gefühle nicht verdrängen oder Euch dafür schämen. Es ist wichtig, die Trauer zuzulassen und Euch mit Euren Gefühlen, Ängsten und Sorgen auseinanderzusetzen. Achtet darauf, dass Ihr Euch Hilfe sucht, wenn Ihr merkt, dass die Gefühle Überhand nehmen, wenn Ihr an nichts anderes denken könnt, wenn der Raum, den sie einnehmen, von Euch nicht mehr haltbar ist. Das gilt auch dann, wenn die Erlebnisse Einfluss auf Euer Verhältnis zu Eurem Baby oder Eurem*Eurer Partner*in haben und Ihr Euch dabei ertappt, ihnen die Schuld zu geben. Sprecht mit Euren Partner*innen darüber. Eventuell leiden sie auch und Ihr fühlt Euch schon nicht mehr ganz so alleine. Sucht ein gutes Nachgespräch mit Eurer Hebamme, besteht darauf, es nicht abzutun, sondern Euch dafür Zeit zu nehmen, bereitet Euch gut auf eine mögliche nächste Geburt vor.

Es gibt Möglichkeiten einen befriedenden Umgang mit Euren Erlebnissen und Euren Gefühlen zu finden, es gibt Therapiemöglichkeiten, es ist nicht sofort pathologisch. 

Ihr müsst da auch nicht alleine durch! Ihr seid nämlich nicht alleine.

Quellen/Literaturtipps:

Sahib, Tanja: Es ist vorbei – ich weiß es nur noch nicht. Bewältigung traumatischer Geburtserfahrungen, Books on demand 2016.

Taschner, Ute, Scheck, Kathrin: Meine Wunschgeburt. Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt: Begleitbuch für Schwangere, ihre Partner und geburtshilfliche Fachpersonen, Salzburg 2012.

Oblasser, Carolin: Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht. Fotobuch, Wegweiser und Erfahrungsschatzaus Sicht von Müttern und geburtshilflichen ExpertInnen, Salzburg 2008.

https://www.destatis. de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/09/PD18_349_231.html(31.01.2019)


[1]https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/09/PD18_349_231.html(31.01.2019)

[2]Taschner, Ute, Scheck, Kathrin: Meine Wunschgeburt. Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt: Begleitbuch für Schwangere, ihre Partner und geburtshilfliche Fachpersonen, Salzburg 2012, S. 23.

[3]Ebd. S. 20.

[4]Ebd., S. 33.

[5]Ebd., S. 29.

[6]Ebd., S. 23 ff.

[7]Ebd., S. 22.

[8]Ebd., S. 30 ff.

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