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Kategorie: Blog

make yourself a good enough woman*

Was bewegt uns dazu “gute Schwangere”, “gute Mütter”, „gute Partner*innen“ oder “gute Töchter” sein zu wollen?

Dabei meine ich nicht, dass wir nicht für unsere Kinder, Partner*innen, Eltern etc. da sein wollen, sondern ich meine es in dem Sinn, dass wir, um es vermeintlich anderen recht zu machen oder einem gesellschaftlichen Bild zu entsprechen, über uns selbst hinweggehen, tapfer lächeln, obwohl uns eigentlich zum Weinen zumute ist, an unsere persönlichen Grenzen oder darüber hinausgehen oder uns anders verhalten, als es unserem Bauchgefühl entspricht.

Wie viele gibt es unter uns, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie ihre Schwangerschaft nicht genießen können, obwohl sie sich doch so sehr ein Kind gewünscht haben und dennoch will sich das Gefühl einfach nicht einstellen?

Wie viele Töchter gibt es, die ihren Müttern zuliebe doch ins Krankenhaus gehen, obwohl sie eigentlich ein Geburtshaus oder sogar eine Hausgeburt vorgezogen hätten?

Wie oft haben sich Mütter, die einen Kaiserschnitt hatten, hundeelend gefühlt und wussten nicht, wohin mit sich, und dennoch haben sie allen recht gegeben, die sagten, dass doch die Hauptsache ist, dass es allen gut geht?

Oder was ist mit den Frauen, die sich rechtfertigen zu müssen, weil sie bereits nach ein paar Wochen oder Monaten abgestillt oder gar nicht gestillt haben?

Natürlich sind das keine Phänomene, die plötzlich im Bereich des Kinderkriegens auftauchen. Wir kennen sie aus vielen anderen Bereichen. Bereits ab dem Kleinkindalter haben wir gelernt, uns angepasst zu verhalten, wie es von uns erwartet wurde, denn abhängig von den jeweiligen elterlichen Erziehungsstilen gab es uns mehr oder weniger das Gefühl dazu zu gehören oder lieb gehabt zu werden. Bei manchen war das ausgebildeter und manchmal auch notwendiger als bei anderen und bei vielen hat es sich zu bestimmten Glaubenssätzen manifestiert.

Aber nicht nur das familiäre Umfeld hat und hatte Einfluss auf unser Selbstbild, unsere Identität und unser Verhalten. Gerade gesellschaftliche Bilder, Medien, Werbung, Schule, manchmal auch Kirche oder ähnliches haben uns sehr stark darin geprägt, wie wir uns selbst sehen wollen oder wohin wir uns bewegt haben. Wir sind mit dem Gefühl aufgewachsen, bestimmten Erwartungen entsprechen zu müssen, um uns gut in die Gesellschaft einzufügen.

Dennoch stoßen wir immer wieder auf Situationen im Leben, die nicht zu uns zu passen scheinen, die uns zur Verzweiflung bringen, weil wir eben nicht den Bildern entsprechen, die an allen Ecken zwicken und drücken und in denen wir uns bewusst werden, dass wir nicht nach unseren eigenen Bedürfnissen handeln.

Gerade im Zusammenhang mit Kindern, wo Authentizität und Natürlichkeit so hoch angesetzt werden, merken wir häufiger, dass das, wie wir uns verhalten oder verhalten haben, ganz weit weg von uns ist. Und dieser Zwiespalt führt dann leider dazu, dass wir uns elend fühlen und ein schlechtes Gewissen entwickeln und den Fehler bei uns suchen. Wir wollen nicht, dass es auf uns zurück fällt, denn eigentlich wollen wir doch nur nach wie vor unbedingt selbst geliebt werden und dazu gehören.

Um aber für unsere Kinder da zu sein, reicht es vollkommen aus, eine ausreichend gute Mutter (nach Donald Winnicott, englischer Kinderarzt und Psychoanalytiker, 1896 – 1971) zu sein. Die „ausreichend gute Mutter“ („good enough mother“)[1] ist in der Lage, auf die Bedürfnisse ihres Babys einzugehen, zumindest so weit, dass sich das Baby nie komplett verlassen fühlt. Und das ist das Entscheidende daran.

Es geht nicht darum, es allen recht zu machen, es ist aber auch einem bedürfnisorientierten Zusammenleben nicht entgegengesetzt, sondern es geht darum, da zu sein, den wichtigsten Bedürfnissen nachzukommen, zu verstehen und auch Konflikte, Krisen und Frustration auszuhalten. Denn um diese können und dürfen wir und unsere Kinder auch nicht herumkommen.

Das sollten wir uns immer vor Augen führen und das können wir auch gut auf alle anderen Lebensumstände ummünzen: Wir sollten uns vornehmen, eine genügend gute Frau zu sein.

Denn dann können wir verstehen, dass unsere eigenen Bedürfnisse, Gefühle und unser Handeln da sind und wie wir sie selbstbestimmt umsetzen können. Sie mögen sich für andere vielleicht nicht richtig anfühlen, ihnen Angst oder sie sprachlos machen, aber wir gehen einer Diskussion nicht aus dem Weg. Wir helfen unserem Gegenüber dabei, mehr zu verstehen, neue Einblicke zu erhalten und wir wachsen selbst über uns hinaus. Dadurch verinnerlichen wir neue Muster und können uns vielleicht beim übernächsten Mal schon ein bißchen weniger mit uns selbst beschäftigen.

Es geht aber auch nicht darum, egoistisch – egal was kommt – unseren eigenen Weg durchzuboxen, sondern es geht darum, zumindest Kompromisse zu finden, die eben für alle ausreichende Optionen bereithalten und wenn sie nicht zu Verständnis führen, dann zumindest eine erwachsene Gesprächsebene bieten. Das wichtige, und das gilt insbesondere bei Kindern, ist in Beziehung zu bleiben.

Unsere Bedürfnisse, Gefühle und unser Handeln sind nämlich in Ordnung und dürfen sein. Gerade im Bereich Kinderkriegen ist es wichtig, dass wir unseren eigenen Weg finden und ihn auch gehen können. Das sind wir uns und unseren Kindern schuldig und auch nur darüber werden wir zu ausreichend guten Eltern. Es ist mit Sicherheit nicht der einfachste Weg, aber es lohnt sich ihn zu gehen.

Kennt Ihr das? Oder befindet Ihr Euch schon auf dem Weg. Wie geht es Euch damit?

 

[1] Winnicott, Donald: Transitional objects and transitional phenomena, in: International Journal of Psychoanalysis, 34, 1953, S. 89–97.

 

2 Kommentare

Ein Anfang

Hallo und willkommen auf meiner Webseite “make babies #arttherapy for women”!

“make babies” ist sowohl ein Blog als auch eine Informationswebseite zu meinen analogen künstlerischen und kunsttherapeutischen Angeboten.

Hier wird es immer wieder Beiträge geben, die sich mit der Psyche rund um das Thema Mutterschaft, Kinderkriegen, Schwangersein etc. beschäftigen. Denn ganz nach dem Motto “das Private ist politisch” geht es mir um eine Stärkung der weiblichen Position sowie der persönlichen Wahrnehmung und Sichtweisen. Denn Achtsamkeit und Wissen sind präventive Faktoren.

Selbstbestimmung ist eine uralte Forderung und in diesem Bereich so aktuell wie lange nicht, denn wir sind noch weit entfernt von Gleichberechtigung und wir wissen häufig gar nicht, was Selbstbestimmung eigentlich ist und wie wir sie umsetzen können.

Ich möchte außerdem den Mutterbegriff erweitern und mich nicht nur an Frauen wenden, die im wahrsten Sinne des Wortes Babies gemacht haben, also schwanger sind oder bereits lebende Kinder haben. Hier sollen sich auch all diejenigen angesprochen fühlen, die im Herzen Eltern sind.
 
Mutterschaft ist kein Privileg, das nur Mütter mit Babies im Arm erhalten. Viele Frauen sind zu Müttern geworden, ohne dass es für alle Welt sichtbar wurde und leiden im Stillen. Bei manchen hat sich der Kinderwunsch nie erfüllt, obwohl sie Monat für Monat gehofft haben, nicht den richtigen Partner gefunden haben, Unmengen an Geld investiert haben, körperliche Unannehmlichkeiten, teilweise Demütigungen, auf sich genommen haben. Manche mussten ihr Kind oder sogar mehrere Kinder wieder gehen lassen. Manche haben sich bewusst gegen Kinder entschieden oder es war einfach nie vereinbar mit ihrem Leben. Es gibt viele Gründe.
 
Rein biologisch Mutter zu werden, ist leider nicht für alle Frauen gleichermaßen leicht. Auch und vielleicht gerade diese Frauen brauchen Aufmerksamkeit, Zuwendung, Schutz und ein offenes Ohr (dann, wenn sie das wollen und dazu bereit sind).

Mir ist es ein Anliegen vom Konkurrenzdenken, von Schwarz-Weiß-Malerei, vom Sich-Alleinefühlen, von überhöhten Performance-Ansprüchen an sich selbst und von Verurteilung anderer und so vielem mehr wegzukommen und dahin zu gelangen, sich und andere so anzunehmen, wie man ist und sein möchte.

Gemeinschaftlich zu denken und zu handeln kann gerade für Mütter und Frauen wahnsinnig befruchtend, präventiv, befriedend, hilfreich und befreiend sein!

Ich freue mich über Feedback, Kommentare und Interesse an meiner Arbeit – eben auf einen guten Anfang!

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