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Kategorie: Blog

make politics

Wenn der Kinderwunsch nicht zur Politik passt

Ein persönlicher Bericht aus dem Frühjahr 2018

Wir würden gerne noch ein drittes Kind bekommen und ich bin deswegen leicht bis massiv gestresst. 

Ich möchte dieses Kind zwar nicht jetzt, sondern irgendwann 2019 bekommen, denn eigentlich erhole ich mich gerade noch von meiner letzten Geburt und hatte mir einen größeren Abstand mit etwas Pause zwischen dem zweiten und dritten Kind gewünscht, in der ich zur Abwechslung mal nicht an Zyklus, Schwangerschaft, Babys etc. denke, aber die Pause ist jetzt und sie fühlt sich überhaupt nicht wie eine Pause an. 

Ich habe bereits zwei Kinder und der eine oder die andere könnte sagen, dass es dann vermessen sei, gestresst zu sein und Angst zu haben, niemanden für eine weitere Geburt zu finden. Denn natürlich kann ich es auch einfach dabei belassen und gut ist. Sie lebten friedlich bis an ihr Lebensende oder so. Ich finde aber, dass das „Warum jemand wie viele Kinder bekommt“ hier nichts zu suchen hat. Die momentane Situation stresst mich jedenfalls latent. 

Der Hebammenmangel nimmt immer größere Dimensionen an und es werden gleichzeitig wieder mehr Kinder geboren. Was auch immer letztendlich ausschlaggebend ist, ist eigentlich egal. Es liegt nicht in meinem Ermessen, entzieht sich meiner Kontrolle und verlangt dennoch so große Kontrolle und Weitsicht von mir, dass ich mindestens einmal täglich daran denken muss. Und dann denke ich nicht mit einer freudigen Erwartung an eine weitere lustige kleine Persönlichkeit, die unsere Familie komplett machen könnte, sondern ich denke sorgenvoll daran, wie es mir gehen könnte, wenn ich keine Begleitung finde, was alles passieren könnte und dass ein Aufschub es auch nicht besser machen wird.

Ich habe zwei sehr unterschiedliche Geburten hinter mir und obwohl ich beide Male von einer Beleghebamme begleitet wurde, habe ich die erste als traumatisierend und die zweite als wundervoll erlebt. Ich weiß also auch, dass ich nicht XY bei meiner Geburt dabei haben möchte, sondern dass es auch da auf die Chemie ankommt. Ich stelle also auch noch Ansprüche. Weiter habe ich gelernt, dass es mir sehr gut tut, zwischen den Schwangerschaften, Geburten und Stillzeiten meiner Kinder ein wenig Abstand zu haben, mich selbst zu finden und Zeit für mich, meine Partnerschaft und meinen Job zu haben, um mich dann auf ein weiteres Kind gut einlassen zu können. Das ist in Zeiten der Geburtenkontrolle durch selbstbestimmte Verhütung einigermaßen möglich aber natürlich nicht voll kalkulierbar, denn beim ersten Kind brauchte mein Körper beinahe ein ganzes Jahr, um schwanger zu werden, beim zweiten nicht einmal einen Zyklus und auch Fehlgeburten sind leider keine Ausnahme und können jede* betreffen. 

Die Hebammensituation ist gerade katastrophal und in manchen Zeiträumen ist sie sogar noch ein wenig schlechter, wenn es auch nachvollziehbar ist. 

Ich hatte damals Glück: Mein kleines Kind wurde im August geboren und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie allein gelassen ich mich gefühlt habe, als meine Frauenärztin meinte, dass sie im Sommer zwei Wochen lang die Praxis schließe (pünktlich zum Geburtstermin), dass das Schwangerenyoga ausfalle und auch die Kita Schließzeit habe und mein großes Kind somit zu Hause betreut werden müsse. Zum Glück hatte ich damals meine Beleghebammen, die nach der Elternzeit gerade wieder in den Beruf einstiegen und auch in den „Ferien“ Frauen annahmen, so dass ich mich rundum versorgt fühlte. Bei den Hebammen meldete ich mich übrigens direkt nach dem positiven Test damals vor über zwei Jahren, als meine Frauenärztin noch nicht der Überzeugung war, dass es sich wirklich um eine Schwangerschaft handeln könnte, denn bis auf eine erhöhte Gebärmutterschleimhaut war nichts zu sehen. 

Nun hat Christine Küsters-Niersmann den „Zeug-o-mat“ (2018) ins Leben gerufen, um auf die dramatische Situation hinzuweisen und damit bei der Planung einer Schwangerschaft der Hebammenmangel im Blick behalten wird. Meine Hebamme zählt die Tage runter, die noch bleiben, um ohne Verhütung Sex zu haben.

Das alles tut genau das, was es soll: Es triggert.

Es triggert so dermaßen, dass ich anstatt meine geplante entspannte Auszeit vom Kinderkriegen zu nehmen, Aperol Spritz zu trinken, im Job aufzugehen – jetzt, wo endlich alles rund läuft und wir im Leben zu viert angekommen sind in dem Bewusstsein, dass sich noch einmal alles verändern wird – und meine zauberhaften kleinen Kinder zu genießen nun permanent darüber nachdenken muss, wann der günstigste Zeitpunkt ist, mir meine Kupferspirale ziehen zu lassen: 

Vor unserem Urlaub? Aber wenn es gleich klappt, wäre das eindeutig zu früh und auch da würde ich vermutlich keine Hebamme für den erratenen Termin finden. Nach dem Urlaub? Das wäre ideal, vorausgesetzt, meine Gynäkologin gibt mir einen Termin und ist nicht im Urlaub und vorausgesetzt ich werde dann sofort schwanger… Und was wenn ich nicht sofort innerhalb von vielleicht drei Zyklen schwanger werde? Verschiebe ich das Thema wieder um ein ganzes Jahr? Denn danach wäre es schon wieder zu spät, dann würden wir ja schon wieder in den Sommer hineinkommen und dann ist wieder niemand da… Was passiert, wenn ich eine Fehlgeburt haben werde? Was ist, wenn…?

Und dann werde ich wütend. Ich werde wütend, weil ich mir diese Gedanken mache. Ich werde wütend, weil die Politik immer noch nichts tut. Ich werde wütend, weil einerseits Kinderkriegen gefördert werden soll und der Babyboom hochstilisiert und gefeiert wird, aber Eltern bereits beim Kinderkriegen alleingelassen werden und gleichzeitig so dermaßen abhängig sind von einem funktionierenden System, auf das sie selbst keinen Einfluss nehmen können.

Wir sollen leisten und zahlen und geben und alles alleine bewerkstelligen und dann möglichst schnell alles Unangenehme vergessen, denn mit Baby auf dem Arm ist alles einfach Glück und außerdem gibt’s ja Kindergeld. Juhu! 

Es ist eine Schande, dass es in einem der reichsten Länder der Welt so aussieht, dass vorwiegend wieder einmal Frauen* ihre Selbstbestimmung aufgeben müssen in einem Bereich, der sich der Kontrolle eigentlich entziehen kann, etwas durch und durch natürliches, biologisches und vor allem etwas privates ist. Es ist grauenhaft, dass wir nicht einmal mehr unserem Körper Zeit geben können, schwanger zu werden, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, sondern dass auch dieser Bereich des Lebens durch Wirtschaftlichkeit und Lobbyismus bestimmt wird… 

Kinderbekommen nach Plan: Auch das ist Gewalt in der Geburtshilfe. 

Es kann so nicht weitergehen! Es muss etwas passieren! Wir wissen so viel und setzen so wenig um. Ich fände es sehr schade, wenn irgendwann nur noch außerhalb der Ferienzeiten Kinder auf die Welt kommen. Was für eine traurige Welt wäre das denn bitte?!

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have a therapeutic attitude


Darf ich als Therapeut*in meine Meinung äußern?

Auf Instagram habe ich in meinen Stories die Frage gestellt, wie es heutzutage mit der therapeutischen Haltung aussieht. Muss ich als Therapeut*in das weiße, unbeschriebene Blatt sein, dass im psychoanalytischen Sinne zu möglichst vielen Übertragungen einlädt? Oder darf ich als Therepaut*in auch meine Meinung äußern und z.B. politisch sein?

Die Frage wurde glücklicherweise nicht eindeutig beantwortet. Denn so einfach zu beantworten ist sie gar nicht.

Was bedeutet therapeutische Haltung?

Ganz klar, es geht um eine Mischung aus Ethik und Authentizität. 

Grundsätzlich gilt natürlich, dass Therapeut*innen ihren Klient*innen gegenüber empathisch, offen und zugewandt sein sollten. Gleichzeitig sollte Raum für Übertragungen da sein, so dass den Klient*innen dadurch ermöglicht wird, ihre Gefühle erlebbar zu machen und sich mit ihren neurotischen Konflikten auseinanderzusetzen (in der Kunsttherapie funktioniert das übrigens auch mit den entstandenen künstlerischen Werken).

Aber ich darf auch als Therapeut*in tätowiert sein, mich für (ausgefallene) Mode interessieren oder mir die Haare färben. Ohne Authentizität wird es auch gar nicht gehen, denn wir sind die Gebilde all unserer Erlebnisse und Beziehungserfahrungen und unsere Klient*innen suchen uns schließlich, ob wir wollen oder nicht, danach aus, ob sie mit uns zurechtkommen und wir ihnen sympathisch sind, so dass sie uns vertrauen wollen. Eigenschaften, die wir uns auch nur bedingt antrainieren können und die bei jedem Menschen anders ausfallen, da jede*r sie anders empfindet. 

Und natürlich habe ich da noch ein Privatleben, in dem ich Hobbies nachgehe, in den Urlaub fahre, mich engagiere, habe Familie und Freunde und meist habe ich sogar selbst ein kleines Päckchen zu tragen, mit dem ich mich auseinandersetzen muss oder das mich belastet.

Welche Tabus gibt es?

Aber hier genau gibt es eine sehr deutliche Grenze: Mein Privatleben hat nichts in der Therapie zu suchen. Und damit meine ich nicht die Sammlung an Büchern oder die Lieblingsteesorte, auch wenn, wie Watzlawick schon gesagt hat, niemals nicht kommuniziert werden kann, sondern ich meine persönlichen Ansichten.

Ich befinde mich nämlich auf keinen Fall in der Position zu bewerten, zu belehren oder mich einzumischen. Das ist nicht die Aufgabe von Therapeut*innen.

Ich gehe grundsätzlich immer davon aus, dass meine Klient*innen zu mir kommen und Expert*innen für ihre Anliegen und ihr Leben sind. Es gibt kein richtig oder falsches Erleben, nicht den einen Weg. Ich helfe meinen Klient*innen konkret dabei, diese mit dem Medium der Kunst nach außen zu transportieren, zu reflektieren, die Perspektive zu wechseln, andere Blickwinkel aufzuzeigen und nach Lösungen zu suchen. Der individuell passende Weg wird gesucht und kann unvorstellbar unterschiedlich aussehen (wie das übrigens auch in der Kunst der Fall ist). Für mich ist dabei die Frage nach dem „Wie kommuniziere ich?“ wichtig und diese beinhaltet dann mögliche Tabus.

Ich bin nämlich als Therapeut*in nicht in der Position, auch wenn ich persönlich es vielleicht für richtig halten mag, Ratschläge für die Lebensgestaltung zu geben z.B. zu sagen, dass ich bei problematischen Schlafverhältnissen in der Familie ein Familienbett vorschlage, weil ich persönlich gute Erfahrungen damit gemacht habe. Aber ich kann die richtigen Fragen stellen, kann dazu einladen zu imaginieren, welche Möglichkeiten es gibt, und gemeinsam durchgehen, wie besserer Familienschlaf zustande kommen könnte. Wie geschrieben: Individuell in jedem Fall neu. Das dient nur als Beispiel (und macht im Übrigen den Beruf wahnsinnig spannend, herausfordernd und abwechslungsreich, denn es gibt niemals den einen Königsweg).

Warum ich mir diese Frage stelle?

Und dann poste ich hier seit ein paar Wochen in den sozialen Netzwerken, wie wichtig ich es finde, dass der §219a abgeschafft wird und dass sich die Geburtshilfe endlich ändern muss. Denn so kann es nicht weitergehen, sondern es ist sogar höchst gefährlich für die Entstehung von Bindungsstörungen, Traumatisierungen etc. Noch dazu rufe ich dazu auf, laut zu werden, Jens Spahn zu nerven oder Vereine, wie die Elterninitiative „Mother Hood e.V.“ (https://www.mother-hood.de/aktuelles/aktuelles.html) und die temporäre von Hebammen ins Leben gerufene Initiative „Lieber Jens“ (https://www.lieberjens.de) zu unterstützten. 

Ich kann aber für mich mit gutem Gewissen sagen, dass es mir um gesundheitspolitische Themen geht, die Einfluss auf meinen Beruf haben. Ich habe meine Berufung gewählt, weil ich mich für Frauen und ihre Rechte einsetze und stark mache. Und deshalb vertrete ich auch hier eine ganz klare Meinung.

Und was heißt das jetzt?

Insgesamt habe ich selbst für mich keine abschließende einheitliche Meinung getroffen. Ich frage mich jedes Mal wieder von Neuem, ob ich zu meiner Meinung nun stehen kann, ob sie angebracht ist oder ob sie Einfluss auf mein Verhältnis zu meinen Klient*innen haben könnte. 

Und das ist vermutlich die Lösung des ganzen Problems: Ich muss mich und meine Rolle jedes Mal wieder von Neuem reflektieren, hinterfragen oder auch supervidieren lassen, um gute Arbeit machen zu können.

Zum Weiterlesen:

  • Dannecker, Karin: Psyche und Ästhetik. Die Transformationen der Kunsttherapie, 2., durchgesehene Auflage, Berlin 2010.
  • Sachsse, Ulrich: Traumazentrierte Psychotherapie, Theorie, Klinik und Praxis, Stuttgart 2004.

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make more babies

Wenn Schwangerschaftsbücher zu Rate gezogen oder Angebote für Schwangere erstellt werden, richten sich diese ja meistens an Erstgebärende, denn bei ihnen gibt es natürlich noch einmal eine ganz andere Verunsicherung, andere Sorgen, ungeahnte überwältigende Gedanken, auf die sich nicht vorbereitet werden kann, als das in jeder weiteren Schwangerschaft der Fall sein wird. 

Diese aufregenden und verunsichernden Gefühle bleiben beim ersten Kind dann ja auch meistens auch erst einmal bestehen und stellen uns täglich vor neue Herausforderungen, auch wenn das Kind bereits da ist, denn seien wir ehrlich, wenn die eigene Erwerbstätigkeit nicht gerade in einem Bereich mit kleinen Kindern angesiedelt ist, wir engen Kontakt zu Familienmitgliedern mit Babies oder wirklich ganz kleine Geschwister haben, haben und hatten wir eigentlich in unserem bisherigen Alltag nichts mit Babies zu tun. Warum auch?

Alle Gefühle, alle Sorgen, alles Abstrakte ist also völlig normal und nachvollziehbar…

Alles einfacher bei jedem weiteren Mal?

Aber wie sieht es aus, wenn wir als Mehrfachgebärende (Was ist das eigentlich für ein Wort?!) uns mit unserer Schwangerschaft beschäftigen. Wie geht es uns nun dabei? 

Klar, wir kennen den Zustand bereits: Die Unsicherheiten zu Beginn, das Warten auf den ersten sichtbaren Bauchansatz und darauf, dass sich der Hormonspiegel einpendelt und z.B. die Sorgen vor einem Verlust langsam in den Hintergrund treten. Wir wissen (hoffentlich), dass wir uns frühzeitig um eine Hebamme und darum, wie wir unser Kind auf die Welt bringen wollen, kümmern sollten und wir haben eine ungefähre Idee davon, wie eine Geburt aussieht und wie es nach der Geburt weitergehen wird. 

Vieles, was in der ersten Schwangerschaft so neu und aufregend war, fällt weg, aber es kommen eben auch neue Gefühle, neue Gedanken und auch neue Sorgen hinzu, die nicht einfach so abgelegt werden können und sollten. Mal ganz abgesehen davon, können viele alte Erlebnisse und Emotionen getriggert werden, die nun erst aufgrund einer möglichen Wiederholung gelöst und verarbeitet werden wollen.

Was ist neu?

Mit zunehmender Kinderzahl, wobei es vielleicht auch gar nicht so sehr von der Anzahl, sondern auch vom Alter der anderen Kinder abhängt und auch da gibt es keine Norm, was besser oder schlechter sein könnte – es ist auch ehrlich gesagt vollkommen nebensächlich – haben wir kaum noch Zeit uns mit der Schwangerschaft, mit dem neuen Baby oder uns selbst zu beschäftigen. 

Das kann erleichternd sein, kann aber auch das Gefühl erzeugen, nicht hinterher zu kommen, etwas zu verpassen und wie oben bereits geschrieben, kann es passieren, dass nun manche Gefühle sogar mit aller Macht an die Oberfläche drängen und nun endlich bearbeitet werden wollen. Wir können sie auch trotz Zeitmangel nicht einfach verdrängen, sondern sollten die Auseinandersetzung suchen, denn dadurch können sie zu einem gesunden Zeitpunkt gut integriert werden und wir können sie neue Ressourcen bilden.

Denn auch bei jedem weiteren Baby stellt sich unser gesamtes Innenleben einmal mehr um und wir haben häufig neben den bekannten Schwangerschaftsbeschwerden auch ein emotionales Erleben, das Zeit braucht, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen oder eben alte Erlebnisse und Gefühle aufarbeiten möchte.

Wenn dann auch noch klar ist, dass es sich um die letzte Schwangerschaft handeln wird, dann fehlt uns auch manchmal die Zeit Abschied zu nehmen und zu trauern. Denn gerade diese Gefühle dürfen sein und benötigen ihren Raum.

Was passiert im emotionalen Erleben unserer Kinder?

Gleichzeitig taucht neben der Freude über das neue Baby auch die Sorge auf, den älteren Kindern nicht mehr so gerecht werden zu können, wie sie es vielleicht noch bräuchten. Vollkommen zurecht müssen wir uns auch bewusst darüber werden, dass wir ihre momentane Welt zerstören werden. Kinder entwickeln sich so, dass sich ihr inneres Erleben in Entwicklungsschritten immer wieder ihren Fähigkeiten und äußeren Begebenheiten anpasst. Sie können das gut und müssen das auch tun. Diese finden sehr regelmäßig statt und sind bei allen Kindern sehr ähnlich. Dennoch ist es für sie eine Herausforderung, die auch wir als Eltern deutlich zu spüren bekommen und eine weitere Erschütterung von außen ihrer sich immer wieder aufs Neue zurechtgelegten Welt, wird auch wieder einen Neuanfang für sie mit sich bringen und bei ihnen erst einmal das Gefühl auslösen, dass ihre alte Welt nicht mehr existiert. So ist es objektiv betrachtet ja auch. Das klingt hart, aber genauso fühlt es sich für sie an. Sie müssen ihre Eltern jetzt teilen. Sie wissen nicht, was passieren wird, sie trauern manchmal selbst noch um den symbiotischen Zustand und sie haben das Gefühl ersetzt zu werden.

(Mehr zu den Sprüngen ist nachzulesen in: Rijt, Hetty van de u.a. Oje, ich wachse! Von den zehn “Sprüngen” in der mentalen Entwicklung Ihres Kindes während der ersten 20 Monate und wie Sie damit umgehen können, Mosaik bei Goldmann; Auflage: 6., 2005.)

Was bedeutet es für uns selbst?

Für uns selbst ist es häufig übrigens, gerade weil wir es schon kennen, auch eine sehr verunsichernde Phase. Nur sieht die womöglich eben ein wenig anders aus als in der ersten Schwangerschaft.

Ein weiteres Familienmitglied wird noch einmal alles durcheinander wirbeln und es ist vorher nicht klar, wie das konkret aussehen und wo uns der Weg als Familie hinführen wird. Von einem weiteren Familienmitglied wird nämlich ziemlich viel betroffen: das Familienleben, die Paarbeziehung, die weitere Berufsplanung, der Wohnraum, die Transportoptionen… Das mag erst einmal alles nebensächlich wirken, kann aber auch sehr belasten. Denn der Organisationsaufwand mit mehreren Kindern kann schon noch mal deutlich größer ausfallen und wird definitiv auch eine größere Rolle spielen. Und meistens haben wir bereits einmal erlebt, wie anstrengend es sein kann, einen gemeinsamen Weg zu finden, der allen gerecht wird.

Wie schon beschrieben, nehmen häufig auch Gedanken zu den Erfahrungen mit dem ersten Kind ihren Platz ein: Wird es wieder so? Was für eine Geburt werde ich diesmal erleben? Wiederholen sich (traumatische) Erlebnisse? – Gerade die letzten Frage belasten viele, die z.B, ein traumatisches Geburtserlebnis hatten oder die an einer postnatalen Depression erkrankt sind, oder sehr unter einem Babyblues und Überforderung zu leiden hatten. Wie wird es diesmal?

Und wenn es ganz anders wird, treffen uns vielleicht Schuldfragen, ob wir es beim ersten Mal nicht hätten ganz anders machen können und ob unser erstes Kind davon nun Schaden nehmen wird.

Ich denke, es gibt noch viele weitere Gedanken und Sorgen, die während einer Schwangerschaft mit dem zweiten, dritten, vierten … Kind beschäftigen.

Wie kann ich diesen Gefühlen begegnen?

Wichtig finde ich, dass diese Zweifel und Sorgen genauso sein dürfen, wie die Freude. Und es darf erlaubt sein, zu trauern, dass so wenig Zeit gefunden wird, dass der Bauch so schnell wächst und ein kleines bißchen neidisch auf junge Erstgebärende zu sein, auch wenn wir im Leben nicht mehr tauschen wollen würden.

Sich bewusst Zeit nehmen für diese neue Umstellung, für diese Schwangerschaft, für dieses Leben ist eine Herausforderung, der wir aber nachgehen sollten, um daraus Kraft zu schöpfen und sie für uns zu lösen. Klar, die Zeit wird nicht mehr, aber das kann nämlich auch ebenso gut ausgelagert werden (auch das haben wir mit unseren anderen Kindern bereits gelernt). 

Wenn wir es zuhause in unserem Alltag nicht schaffen, uns die Zeit zu nehmen, dann wäre es doch eine gute Idee, sich woanders damit zu beschäftigen und so dem Alltag nicht nur durch den Ausnahmezustand der Schwangerschaft und der Babyzeit zu entfliehen, sondern etwas bewusst für uns und für unser Baby zu tun. Es zahlt sich aus!

Ich biete Kunsttherapie an. Genauso gut kommt aber auch prä- oder postnatales Yoga, ein fest in den Wochenplan integrierter Spaziergang, ein Maltagebuch oder ähnliches in Frage. Ihr werdet schnell sehen, dass es gut tut!


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make obstetrical violence against women* visible

Viele Menschen sind immer noch ganz überrascht, wenn sie mit Gewalt in der Geburtshilfe konfrontiert werden. Manche haben überhaupt kein Verständnis dafür, warum das Thema in die Öffentlichkeit getragen werden muss. Manche haben auch kein Verständnis für die Frauen, die Gewalt erlebt haben, und wiederum andere haben Angst, dass Schwangere unnötig getriggert werden könnten und nicht mehr entspannt in die Geburt ihres Kindes gehen können. 

Die Gedanken, die vorzuherrschen scheinen, sind ungefähr folgende: 

Was soll Gewalt in der Geburtshilfe überhaupt sein? Ist das nicht alles ein wenig engstirnig betrachtet? Wenn es doch notwendig war! Hauptsache alle sind gesund! Vielleicht bist Du einfach zu sensibel? Früher gab`s das so auch nicht. Ihr wollt Euch doch alle nur in den Mittelpunkt stellen und ein Thema künstlich aufbauschen. Die Ansprüche heutzutage sind einfach zu groß, die Frauen zu weich… Von Roses Revolution gibt ein ganzes Bullshitbingo dazu.

Zunächst einmal: Es gibt kein zu sensibel, kein falsch verstanden, kein „Hauptsache physisch gesund“. Psychische und physische Gesundheit hängen eng zusammen und jede Frau erlebt und empfindet anders. Dabei gibt es auch kein richtig oder falsch.

Jede Frau befindet sich unter der Geburt in einer besonders sensiblen, sogar existenziellen Phase. Sie ist zu diesem Zeitpunkt sehr verletzlich und leistet Unglaubliches. Sie ist dabei, sich vollkommen zu öffnen, um ihr Baby auf die Welt zu bringen.

Dazu braucht sie Sicherheit, Ruhe und wirkliche, empathische Unterstützung, die ihr als aktiver Akteurin dabei hilft, ihr Baby zu bekommen. Die Frau bekommt nämlich das Baby, niemand sonst. Sie gebiert es. 

(Übrigens nimmt auch bei einer Sectio die Mutter alleine unglaubliches auf sich, um ihr Baby auf die Welt zu bekommen.)

Alles andere, auch wenn es für die*den Geburtshelfer*in praktikabel und bewährt sein mag, ist ein Eingriff von außen und kann als übergriffig und Gewalt empfunden werden. Ich schreibe „kann“, denn jede Frau empfindet Hilfe anders und es gibt auch Menschen, die erwarten, Unterstützung ohne große Anfrage oder Hinweis zu bekommen, denn sie haben dieses Verhaltensmuster von klein auf erlernt und für sich perfektioniert. Das muss ganz individuell betrachtet werden.

Aber in jedem Fall sieht die ganze Sache bereits anders aus, sobald ein ehrliches Einverständnis gegeben wird – denn meistens geht es hierbei nicht um eine Leben- oder Tod-Entscheidung – und möglichst feinfühlig erklärt wurde, was geschehen soll und warum.

Es geht also um die richtige Kommunikation, die nicht immer nur verbal sein muss, es aber meistens ist, insbesondere dann, wenn es noch kein zugrundeliegendes Vertrauensverhältnis gibt. Es geht darum, die Eltern miteinzubeziehen und ihnen das Wissen an die Hand zu geben, was mit ihnen und ihrem Baby passiert. 

Eine gute Geburtshilfe ist ein sensibles, vertrauensvolles Zusammenspiel von werdenden Eltern und Geburtshelfer*innnen, was natürlich eine Herausforderung ist, gerade dann wenn es sich um eine erste Begegnung, wie es im Krankenhaus häufig der Fall ist, handelt. 

Aber alles andere darf zurecht von den Eltern als übergriffig, fehl am Platz bis hin zu Gewalt empfunden werden. Und niemand darf das den Eltern absprechen.

Es handelt sich also nicht nur um die Ohrfeige, damit sich die Gebärende endlich mal zusammenreiße, oder den Kristeller-Griff, der ohne Vorankündigung durchgeführt wird und oft als “und dann hat sich jemand auf meinen Bauch geschmissen” beschrieben wird, sondern es handelt sich ganz zugrundeliegend um die verbale und nonverbale Kommunikation mit der Schwangeren.

 Es geht auch nicht allein um die Begleitung während der Geburt, sondern um die gesamte Schwangerschaft. Denn gerade wenn eine Frau das erste Mal schwanger ist und mit Erstaunen und oft auch mit Sorgen die Veränderungen, die in und an ihr vor sich gehen, wahrnimmt, lässt sie sich leicht von außen beeinflussen und nimmt sich jede kleinste Geste, die ihr z.B. irgendwie Aufschluss über ihre momentane Situation geben könnte, zu Herzen. Da kann ein unbedachter Ausbruch, ein Wort, ein Nebensatz die Frau in totale Panik versetzen, die auch den weiteren Verlauf der Schwangerschaft, manchmal auch ihr gesamtes Leben prägen. Werdende Eltern wollen Informationen, sie wollen wissen, was mit ihnen vorgeht, sie haben es zu großen Teilen verlernt, rein auf ihren Körper und ihre Gefühle zu hören, denn eine Schwangerschaft ist und bleibt eine Ausnahmesituation, die nicht alltäglich ist und die ungeheuer viel körperliche und vor allem emotionale Leistung abverlangt.

Seit 2011 gilt die Istanbul Konvention, in der völkerrechtlich verbindliche Rechtsnormen in Bezug auf Gewalt gegenüber Frauen, und dazu gehört auch die Geburtshilfe, geschaffen wurden. Das Ganze ist rechtsbindend.

Und immer noch kommen tagtäglich Geschichten ans Licht, die an einen rechtsfreien Raum im Kreißsaal – und leider nicht nur da – denken lassen. 

Wir reden von Menschenrechten, von Frauenrechten, davon dass wir 2019 haben und alle Frauen*, egal welcher Ethnie oder Religion sie angehören, in vielen Bereichen immer noch um ihre Rechte kämpfen müssen, nicht gleichberechtigt sind und sie nicht als selbstverständlich hingenommen werden.

Das ist jetzt ein ziemlich weiter Ausflug in die Ethik, aber einer (therapeutischen) Arbeit mit Menschen sollten immer ethische Normen und ein positives Menschenbild zugrunde liegen, das hier durchaus seinen Platz haben darf. Es ist Voraussetzung für gute Arbeit mit Menschen.

Eine Frau, deren letzte Geburt bereits vier Jahre zurückliegt, erzählte mir, dass sie nach wie vor panische Angst vor Krankenhäusern habe, weil sie einmal während der Schwangerschaft aufgrund einer Komplikation in der Notaufnahme gelandet ist “und sich wie ein zu begutachtendes Vieh” gefühlt habe. Der Sprachgebrauch war grob, der Informationsfluss gering und am Ende wurde die Frau in ihrer existenziellen Angst alleine gelassen und diese sogar noch geschürt. Es bewegt sie noch heute.

Und darum geht es letztendlich: Eine Schwangerschaft und eine Geburt sind existenzielle Momente im Leben. Selten sind wir so sensibel und so beeinflussbar wie in dieser Zeit und die Erinnerungen, die mit allen Sinnen erfahren wurden, bleiben und sie bleiben auch weiterhin verletzend. Denn eigentlich hätte man Trost, Verständnis und Halt benötigt. 

Diese Erlebnisse sollte man nicht hinnehmen und verdrängen. Schließlich ist einem Unrecht widerfahren! Es ist wichtig darüber zu reden, aufzuzeigen, wo Unrecht geschehen ist und zu enttabuisieren. Und darum geht es, wenn wir – und wir werden immer mehr – aufklären.

Natürlich können zu viele Geschichten über Gewalterfahrungen Angst machen. Eine Triggerwarnung voranzusetzen, halte ich auch für sehr wichtig. 

Aber nur, wenn auch Frauen, die Schlimmes erlebt haben – übrigens egal wann, denn Gewalt gegenüber Frauen gab es schon immer, es gab nur durchaus Zeiten, in denen Frauen noch weniger Gehör gefunden oder Solidarität untereinander erfahren haben -, ihren Raum bekommen und nicht das Gefühl haben, abgewürgt zu werden oder alleine zu sein, können wir für eine Enttabuisierung sorgen sowie sensibilisieren und auch nur dann kommt es zu einem Austausch.

Frauen müssen erfahren, dass sie nicht allein sind, dass es Möglichkeiten gibt, sich helfen zu lassen, dass sie die Schuld nicht bei sich suchen müssen. Und der Weg, es anzunehmen, sich darum zu kümmern, jemanden oder eine Therapieform zu finden, die hilft, dauert.

Mit Sicherheit müssen Schwangere nicht bis ins Detail wissen, was alles passieren kann. Aber auch sie haben ein Recht darauf zu erfahren, dass es zu Gewalt kommen kann und dass sie sich vorbereiten müssen, denn die momentanen Zustände in den Kreißsälen, der akute Hebammen- und Personalmangel und wirtschaftliche Faktoren können eben dazu führen. 

Leider kann aber nicht jede gute Vorbereitung solche Erfahrungen verhindern. Aber gemeinsam arbeiten wir daran.

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make aware your sectio is birth

Lasst uns über Kaiserschnitte reden oder auch sectio, sectio caesarea, Bauchschnitt oder Bauchgeburt.

Ich persönlich mag den Begriff Bauchgeburt. Denn auch eine Bauchgeburt ist eben eine Geburt. Dennoch hat auch der Begriff Kaiserschnitt seine Berechtigung, denn für viele ist er erst einmal ein im wahrsten Sinne des Wortes einschneidendes Erlebnis. 

Mütter, die eine Sectio hatten, haben genauso geboren wie alle anderen Mütter auch. Nur ist dieses Bewusstsein für sie häufig nicht sofort greifbar und die Überraschung oder auch Enttäuschung lange Zeit zu groß, um das sehen zu können. 

Das hat auch viel mit öffentlicher Wahrnehmung und vorschnellen Urteilen zu tun: Ein Kaiserschnitt hat den Ruf „Es sich leicht gemacht zu haben“ und bei vielen Frauen stellt sich schnell das Gefühl ein, versagt zu haben, egal welche Geburtsgeschichte sie und ihr Baby geschrieben haben und egal, was sie für ihr Kind auf sich genommen hat, um es gesund auf die Welt zu bringen. 

Es ist ohne Zweifel eine medizinische Errungenschaft, dass es die Möglichkeit der „sectio caesarea“ gibt. Vielen Müttern und Kindern wurde damit das Leben gerettet. Die Indikationen können absolut oder relativ sein, getroffen werden sie von den betreuenden Geburtshelfer*innen und Ärzt*innen.

Laut statistischem Bundesamt hatten wir in Deutschland 2017 eine Kaiserschnittrate von 30,5%[1]. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält dagegen eine Quote von 10 bis 15% für ausreichend und medizinisch notwendig.[2]Zwischen 1991 und 2011 hat sich die Kaiserschnittzahl in Deutschland verdoppelt,[3]im Vergleich dazu hat sich übrigens die Mütter- und Kindersterblichkeit nicht groß verändert[4]und auch die Zahl der Wunschkaiserschnitte liegt bei unter 5%.[5]

Bei der Suche nach Gründen für die steigenden Kaiserschnittraten lässt sich immer wieder feststellen, dass in den Krankenhäusern Vergütung duch Fallpauschalen, Wirtschaftlichkeit, Personalmangel, Ängste vor Schadensersatzzahlungen befeuert auch durch hohe Haftpflichtprämien und damit verbunden viel zu viele Interventionen, so genannte Interventionskaskaden, eine Rolle spielen.[6]Bei 80 – 90 % der Geburten via Bauchschnitt liegen übrigens relative Indikationen vor.[7]

Die Fakten beschreiben dabei aber in keiner Weise, welche weitreichenden Folgen so ein operativer Eingriff für Körper und die Seele von mindestens zwei Menschen[8]haben kann und wie wir uns präventiv darauf vorbereiten können. Denn was ich sehr wichtig finde klarzustellen: Frauen dürfen im Hinblick auf die genannten Zahlen auf keinen Fall anfangen, eine eventuelle Schuld – sollte es die überhaupt geben – bei sich zu suchen! Diese Frauen haben nämlich alles gegeben, um ihr Kind gesund auf die Welt zu bringen! Und zu sagen, dass sie sich nur einfach für eine andere Art der Geburt hätten entscheiden sollen, ist zu simpel, zu wenig durchdacht und wird in Zeiten eines teils dramatischen Hebammenmangels zur Farce.

Im Übrigen kann eine primäre Bauchgeburt oder auch ein Wunschkaiserschnitt eine sehr selbstbestimmte, positive Erfahrung sein. Denn wirklich jede Geburt ist anders und jede Frau und jedes Baby ebenfalls.

Momentan können wir nur bei der Beschäftigung mit der bevorstehenden Geburt erfahren, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einer Bauchgeburt zu entbinden, durchaus im Bereich des Möglichen liegt. 

Aber vor der Geburt gehen die wenigsten davon aus, ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen. Viele blenden den Gedanken daran vollkommen aus, manche haben Angst davor und in Geburtsvorbereitungskursen wird meist nur am Rande darüber gesprochen und die Bauchgeburt als möglicher Ausweg erwähnt, ohne dass es zu einer Aufklärung, wann es dazu kommt, was dabei passiert, welche Techniken es gibt, welche Risiken, wie es sich anfühlen könnte und wie es danach weitergehen kann, kommt. Viele Folgen, insbesondere psychische wie z.B. Bindungsprobleme, depressive Verstimmungen aber auch Stillprobleme, könnten aber bereits hier präventiv abgemildert werden.

Das das zur Zeit zu wenig passiert, führt leider auch dazu, dass Frauen das Gefühl haben, dass ihnen eine Sectio wie ein Unfall zustößt und sie nicht mehr das Gefühl haben, selbstbestimmt an der Geburt teilgenommen zu haben. Viele Frauen wurden bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie operiert. Sie haben sich auf etwas anderes vorbereitet und sehen sich nun gleich mehreren vollkommen neuen Situationen, die sie bewältigen müssen – schließlich haben sie ja auch noch ein Kind geboren –, gegenüber.

Oft ist es für betroffene Frauen ein ziemlich langer, manchmal auch schmerzhafter Weg die Erlebnisse zu integrieren, gerade dann, wenn es sich um eine sekundäre Sectio (also ein Kaiserschnitt nach einem natürlichen Wehenbeginn) oder Resectio (ein wiederholter Kaiserschnitt, häufig auch sekundär) handelte oder gar um einen Notkaiserschnitt (ein Kaiserschnitt der plötzlich meist unter Vollnarkose und sofort zur Rettung von Mutter und/oder Kind gemacht werden muss). 

Irgendwann wird vielleicht gelernt, die Tatsache an und für sich zu akzeptieren, dennoch leiden viele Mütter oft noch lange darunter. Denn eine Kaiserschnittgeburt zieht so viel mehr nach sich, als es zunächst den Anschein hat. 

Häufig haben die Frauen – zumindest bei einer sekundären Sectio – nicht nur das Gefühl, um das Erlebnis der vaginalen Geburt gebracht worden zu sein, sondern niemand kann ihnen das Gefühl wiedergeben, um ganz viele andere erste Male gebracht worden zu sein, wie z.B. das erste Mal zu wickeln oder das erste Mal zu tragen. Ganz natürliche Tätigkeiten eben, die eine neugeborene Mutter für sich und ihr Baby machen möchte. Aber mit der Wunde nach einer großen Bauch-OP verhält es sich ein wenig anders als mit Geburtsverletzungen, denn u.a. wurden alle Muskeln ja erst einmal durchtrennt und mit den Schmerzen, die nach der Geburt durch Luft im Bauch entstehen kann es keine Nachwehe aufnehmen (mal abgesehen davon, dass Nachwehen natürlich auch noch dazu kommen). Die Mutter kann also im schlimmsten Fall bereits mit der Geburt das Gefühl haben, eine versagende Mutter zu sein, die nicht einmal in der Lage ist, ihr Baby zu versorgen. Das widerspricht vollkommen ihren Bedürfnissen.

Bei einem Notkaiserschnitt unter Vollnarkose wird es noch drastischer, weil sowohl die Mutter von der Geburt nichts mitbekommt, als auch das Kind narkotisiert auf die Welt kommt. Den ersten Schrei hören nur die betreuende Hebamme und zuständige Ärzt*innen, das erste Bonding übernimmt der Vater und das Baby kommt anstatt aus dem Bauch, wo es bis gerade noch war, zur Tür herein. Ein Erlebnis, was erst einmal im Kopf ankommen muss. Denn die Vorstellung ein Kind im Bauch zu tragen, bleibt ja doch meist trotz der Kindsbewegungen und augenscheinlicher körperlicher Veränderungen etwas Abstraktes unabhängig von der Art der Geburt. 

Für den Vater kann eine Bauchgeburt mit Sicherheit ein einzigartiges, wundervolles Erlebnis und  eine sehr gute Voraussetzung für eine gute Bindung sein, aber eigentlich haben sich beide frischgebackenen Eltern darauf gefreut, gemeinsam Ihr Kind zu begrüßen und auch die Emotionen des jeweils anderen Partners* zu erleben. 

All diese Erlebnisse verschärfen das Gefühl versagt zu haben und das Gefühl, dass der Start sich irgendwie falsch anfühlt, da diese vielen einzelnen Situationen nicht noch einmal zum ersten Mal oder überhaupt stattfinden werden und doch gerade die ersten Male und Minuten für Mutter und Kind so wichtig sein sollen.

Alles mal ganz abgesehen davon, dass sich die Ausnahmesituation der Geburt noch einmal mehr in eine Ausnahmesituation verwandelt, denn das Gefühl mit ausgebreiteten Armen auf einem OP-Tisch festgeschnallt zu liegen und aufgeschnitten zu werden, ruft ja erst einmal Panik und das Bedürfnis nach Flucht hervor. Mal abgesehen davon, dass sich viele Frauen vorstellen, wie sie das Baby nackt, nass, klebrig mit beiden Armen in Empfang nehmen werden. Manchmal findet auch kurz nach der Geburt eine Trennung zwischen Mutter und Kind und manchmal auch dem Vater statt. Das Gefühl des Alleinseins kann einsetzen, denn die Impulse sind definitiv andere.

Der Schmerz über diese Erlebnisse wird irgendwann leichter werden und die Beziehung zu Eurem Kind wird noch viele erste Male beinhalten. 

Außerdem könnt Ihr Euch aktiv mit dem Schmerz auseinandersetzen und vor allem: Er darf sein! 

Ja, Baugeburt ist Geburt. Es handelt sich nämlich um Eure gemeinsame Geburtsgeschichte, die Euch für immer verbinden wird.

Aber es ist vollkommen in Ordnung deswegen traurig, enttäuscht oder wütend zu sein. 

Deswegen solltet Ihr die Geburt und Eure Gefühle nicht verdrängen oder Euch dafür schämen. Es ist wichtig, die Trauer zuzulassen und Euch mit Euren Gefühlen, Ängsten und Sorgen auseinanderzusetzen. Achtet darauf, dass Ihr Euch Hilfe sucht, wenn Ihr merkt, dass die Gefühle Überhand nehmen, wenn Ihr an nichts anderes denken könnt, wenn der Raum, den sie einnehmen, von Euch nicht mehr haltbar ist. Das gilt auch dann, wenn die Erlebnisse Einfluss auf Euer Verhältnis zu Eurem Baby oder Eurem*Eurer Partner*in haben und Ihr Euch dabei ertappt, ihnen die Schuld zu geben. Sprecht mit Euren Partner*innen darüber. Eventuell leiden sie auch und Ihr fühlt Euch schon nicht mehr ganz so alleine. Sucht ein gutes Nachgespräch mit Eurer Hebamme, besteht darauf, es nicht abzutun, sondern Euch dafür Zeit zu nehmen, bereitet Euch gut auf eine mögliche nächste Geburt vor.

Es gibt Möglichkeiten einen befriedenden Umgang mit Euren Erlebnissen und Euren Gefühlen zu finden, es gibt Therapiemöglichkeiten, es ist nicht sofort pathologisch. 

Ihr müsst da auch nicht alleine durch! Ihr seid nämlich nicht alleine.

Quellen/Literaturtipps:

Sahib, Tanja: Es ist vorbei – ich weiß es nur noch nicht. Bewältigung traumatischer Geburtserfahrungen, Books on demand 2016.

Taschner, Ute, Scheck, Kathrin: Meine Wunschgeburt. Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt: Begleitbuch für Schwangere, ihre Partner und geburtshilfliche Fachpersonen, Salzburg 2012.

Oblasser, Carolin: Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht. Fotobuch, Wegweiser und Erfahrungsschatzaus Sicht von Müttern und geburtshilflichen ExpertInnen, Salzburg 2008.

https://www.destatis. de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/09/PD18_349_231.html(31.01.2019)


[1]https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/09/PD18_349_231.html(31.01.2019)

[2]Taschner, Ute, Scheck, Kathrin: Meine Wunschgeburt. Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt: Begleitbuch für Schwangere, ihre Partner und geburtshilfliche Fachpersonen, Salzburg 2012, S. 23.

[3]Ebd. S. 20.

[4]Ebd., S. 33.

[5]Ebd., S. 29.

[6]Ebd., S. 23 ff.

[7]Ebd., S. 22.

[8]Ebd., S. 30 ff.

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draw your line

Die eigenen Grenzen sind etwas sehr sensibles, individuelles und sehr wichtiges. Doch leider werden sie viel zu oft verletzt und übergangen.

Manche Erlebnisse sind so augenscheinlich und klar, dass allgemeingültig von Übergriffen und Grenzverletzungen gesprochen wird. Häufig (nicht immer) sind die extremen Fälle mittlerweile gesetzlich geregelt. Das ist aber bei weitem nicht immer der Fall. Wie schwierig eine gesellschaftliche Debatte und ein allgemeingültiger Konsens ist, können wir z.B. an der #metoo-Debatte sehen. 

Was uns selbst betrifft, können wir oft gar nicht so genau sagen, was genau uns jetzt verletzt hat und noch viel weniger können wir etwas dagegen ausrichten oder meinen zumindest, dass wir das nicht können.

Viele Grenzüberschreitungen nehmen wir hin, weil wir denken, es muss so sein: Der Arzt, der uns überall anfasst, die Hebamme, die ohne Erklärung auf der Brust herumdrückt oder das Baby an sich reißt, die eigene Mutter, die weiß, was gut für uns oder das Baby ist, der Mann, der während wir im Park auf einer Bank sitzen und stillen, etwas zu lange auf unsere Brust starrt, die Nachbarin, die dem Baby die Nase putzt… 

Wir sind es gewohnt, dann denn Fehler bei uns zu suchen, unser eigenes Verhalten oder unsere Gefühle anzuzweifeln („ich hätte die Rotznase schon längst selbst putzen können. Bin ich eine schlechte Mutter?“) und dem übergriffigen Gegenüber eine Macht aufgrund einer angeblichen Expertise zuzugestehen, die mehr als zweifelhaft ist.

Darauf zu achten, dass unsere Grenzen eingehalten werden, erfordert wahnsinnig viel Übung, Stärke und Selbstkenntnis. Denn meist folgen wir in unserem Verhalten Mustern, die sich fest eingebrannt haben und die wir meist seit Kleinstkindalter perfektioniert haben. Die Gesellschaft, unsere gesellschaftliche Stellung, transgenerationale Überlieferungen und Verhaltensmuster spielen dabei ebenso eine große Rolle, wie die eigenen kindlichen (Beziehungs-)Erlebnisse mit den eigenen Eltern, mit Lehrer*innen oder anderen Menschen. 

Theoretisch müssten wir uns zuerst einmal mit den begangenen Grenzverletzungen beschäftigen und sie als das anerkennen, was sie sind, bevor wir uns dem zuwenden, was wir in Zukunft nicht wollen. 

Das ist ein gehöriger Berg Arbeit und er führt häufig erst einmal nicht dazu, dass wir uns besser fühlen, sondern provoziert innere und äußere Konflikte, ist anstrengend, unangenehm und manchmal auch nur schwer auszuhalten. Manchmal tauchen sogar traumatisierende, verdrängte Erlebnisse wieder auf. 

Und wir hören dann häufig, dass doch alles gar nicht so schlimm war, wir uns nicht so anstellen sollen, es gute Gründe gab und dass unsere Gefühle übertrieben seien. 

Der Mensch hat das Bedürfnis zu verdrängen und zu glätten. Ob das langfristig, dazu führt, dass wir zu uns selbst ein gutes Verhältnis haben, ist die Frage. Im schlimmsten Fall fügen wir uns selbst Verletzungen zu oder führen sie absichtlich herbei, um eine Bestätigung dafür zu bekommen, dass Fehler wirklich auf unserer Seite liegen.

Es ist aber wirklich wichtig, mit uns und unseren Bedürfnissen in Kontakt zu bleiben und uns mit uns und unseren Gefühlen gerade bezogen auf unsere Grenzen auseinanderzusetzen.

Jede*r von uns hat ganz eigene, individuelle Grenzen und die sind völlig in Ordnung. Und es ist vollkommen in Ordnung, andere darauf hinzuweisen, auch wenn die Erlebnisse in der Vergangenheit stattgefunden haben, und erst recht, wenn wir eine Grenzverletzung erleben oder auf uns zukommen sehen. Wir müssen lernen, gut für uns selbst zu sorgen! Denn in der Regel wird diese Aufgabe niemand für uns übernehmen bzw. können wir das auch nur von einem wohlwollenden Gegenüber annehmen, wenn wir uns selbst gut verstehen.

Wir sollten uns im Übrigen auch im Kontakt mit anderen bewusst machen, dass wir selbst auch Grenzen verletzen können. Gerade verbal passiert das wahrscheinlich regelmäßig immer mal wieder. Wichtig ist, dass, wenn wir es wahrnehmen, wir uns entschuldigen. Der Änderungsprozess wird, so lange wir spüren, dass etwas nicht in Ordnung war und wir dafür die Verantwortung übernehmen, von selbst einsetzen.

Und diese Hoffnung sollten wir auch bei unserem uns verletzenden Gegenüber haben. 

Darum dürfen wir nicht still sein und hinnehmen, sondern wir müssen klare Grenzen setzen und lernen für unsere Bedürfnisse einzustehen.

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make yourself a good enough woman*

Was bewegt uns dazu “gute Schwangere”, “gute Mütter”, „gute Partner*innen“ oder “gute Töchter” sein zu wollen?

Dabei meine ich nicht, dass wir nicht für unsere Kinder, Partner*innen, Eltern etc. da sein wollen, sondern ich meine es in dem Sinn, dass wir, um es vermeintlich anderen recht zu machen oder einem gesellschaftlichen Bild zu entsprechen, über uns selbst hinweggehen, tapfer lächeln, obwohl uns eigentlich zum Weinen zumute ist, an unsere persönlichen Grenzen oder darüber hinausgehen oder uns anders verhalten, als es unserem Bauchgefühl entspricht.

Wie viele gibt es unter uns, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie ihre Schwangerschaft nicht genießen können, obwohl sie sich doch so sehr ein Kind gewünscht haben und dennoch will sich das Gefühl einfach nicht einstellen?

Wie viele Töchter gibt es, die ihren Müttern zuliebe doch ins Krankenhaus gehen, obwohl sie eigentlich ein Geburtshaus oder sogar eine Hausgeburt vorgezogen hätten?

Wie oft haben sich Mütter, die einen Kaiserschnitt hatten, hundeelend gefühlt und wussten nicht, wohin mit sich, und dennoch haben sie allen recht gegeben, die sagten, dass doch die Hauptsache ist, dass es allen gut geht?

Oder was ist mit den Frauen, die sich rechtfertigen zu müssen, weil sie bereits nach ein paar Wochen oder Monaten abgestillt oder gar nicht gestillt haben?

Natürlich sind das keine Phänomene, die plötzlich im Bereich des Kinderkriegens auftauchen. Wir kennen sie aus vielen anderen Bereichen. Bereits ab dem Kleinkindalter haben wir gelernt, uns angepasst zu verhalten, wie es von uns erwartet wurde, denn abhängig von den jeweiligen elterlichen Erziehungsstilen gab es uns mehr oder weniger das Gefühl dazu zu gehören oder lieb gehabt zu werden. Bei manchen war das ausgebildeter und manchmal auch notwendiger als bei anderen und bei vielen hat es sich zu bestimmten Glaubenssätzen manifestiert.

Aber nicht nur das familiäre Umfeld hat und hatte Einfluss auf unser Selbstbild, unsere Identität und unser Verhalten. Gerade gesellschaftliche Bilder, Medien, Werbung, Schule, manchmal auch Kirche oder ähnliches haben uns sehr stark darin geprägt, wie wir uns selbst sehen wollen oder wohin wir uns bewegt haben. Wir sind mit dem Gefühl aufgewachsen, bestimmten Erwartungen entsprechen zu müssen, um uns gut in die Gesellschaft einzufügen.

Dennoch stoßen wir immer wieder auf Situationen im Leben, die nicht zu uns zu passen scheinen, die uns zur Verzweiflung bringen, weil wir eben nicht den Bildern entsprechen, die an allen Ecken zwicken und drücken und in denen wir uns bewusst werden, dass wir nicht nach unseren eigenen Bedürfnissen handeln.

Gerade im Zusammenhang mit Kindern, wo Authentizität und Natürlichkeit so hoch angesetzt werden, merken wir häufiger, dass das, wie wir uns verhalten oder verhalten haben, ganz weit weg von uns ist. Und dieser Zwiespalt führt dann leider dazu, dass wir uns elend fühlen und ein schlechtes Gewissen entwickeln und den Fehler bei uns suchen. Wir wollen nicht, dass es auf uns zurück fällt, denn eigentlich wollen wir doch nur nach wie vor unbedingt selbst geliebt werden und dazu gehören.

Um aber für unsere Kinder da zu sein, reicht es vollkommen aus, eine ausreichend gute Mutter (nach Donald Winnicott, englischer Kinderarzt und Psychoanalytiker, 1896 – 1971) zu sein. Die „ausreichend gute Mutter“ („good enough mother“)[1] ist in der Lage, auf die Bedürfnisse ihres Babys einzugehen, zumindest so weit, dass sich das Baby nie komplett verlassen fühlt. Und das ist das Entscheidende daran.

Es geht nicht darum, es allen recht zu machen, es ist aber auch einem bedürfnisorientierten Zusammenleben nicht entgegengesetzt, sondern es geht darum, da zu sein, den wichtigsten Bedürfnissen nachzukommen, zu verstehen und auch Konflikte, Krisen und Frustration auszuhalten. Denn um diese können und dürfen wir und unsere Kinder auch nicht herumkommen.

Das sollten wir uns immer vor Augen führen und das können wir auch gut auf alle anderen Lebensumstände ummünzen: Wir sollten uns vornehmen, eine genügend gute Frau zu sein.

Denn dann können wir verstehen, dass unsere eigenen Bedürfnisse, Gefühle und unser Handeln da sind und wie wir sie selbstbestimmt umsetzen können. Sie mögen sich für andere vielleicht nicht richtig anfühlen, ihnen Angst oder sie sprachlos machen, aber wir gehen einer Diskussion nicht aus dem Weg. Wir helfen unserem Gegenüber dabei, mehr zu verstehen, neue Einblicke zu erhalten und wir wachsen selbst über uns hinaus. Dadurch verinnerlichen wir neue Muster und können uns vielleicht beim übernächsten Mal schon ein bißchen weniger mit uns selbst beschäftigen.

Es geht aber auch nicht darum, egoistisch – egal was kommt – unseren eigenen Weg durchzuboxen, sondern es geht darum, zumindest Kompromisse zu finden, die eben für alle ausreichende Optionen bereithalten und wenn sie nicht zu Verständnis führen, dann zumindest eine erwachsene Gesprächsebene bieten. Das wichtige, und das gilt insbesondere bei Kindern, ist in Beziehung zu bleiben.

Unsere Bedürfnisse, Gefühle und unser Handeln sind nämlich in Ordnung und dürfen sein. Gerade im Bereich Kinderkriegen ist es wichtig, dass wir unseren eigenen Weg finden und ihn auch gehen können. Das sind wir uns und unseren Kindern schuldig und auch nur darüber werden wir zu ausreichend guten Eltern. Es ist mit Sicherheit nicht der einfachste Weg, aber es lohnt sich ihn zu gehen.

Kennt Ihr das? Oder befindet Ihr Euch schon auf dem Weg. Wie geht es Euch damit?

 

[1] Winnicott, Donald: Transitional objects and transitional phenomena, in: International Journal of Psychoanalysis, 34, 1953, S. 89–97.

 

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Ein Anfang

Hallo und willkommen auf meiner Webseite “make babies #arttherapy for women”!

“make babies” ist sowohl ein Blog als auch eine Informationswebseite zu meinen analogen künstlerischen und kunsttherapeutischen Angeboten.

Hier wird es immer wieder Beiträge geben, die sich mit der Psyche rund um das Thema Mutterschaft, Kinderkriegen, Schwangersein etc. beschäftigen. Denn ganz nach dem Motto “das Private ist politisch” geht es mir um eine Stärkung der weiblichen Position sowie der persönlichen Wahrnehmung und Sichtweisen. Denn Achtsamkeit und Wissen sind präventive Faktoren.

Selbstbestimmung ist eine uralte Forderung und in diesem Bereich so aktuell wie lange nicht, denn wir sind noch weit entfernt von Gleichberechtigung und wir wissen häufig gar nicht, was Selbstbestimmung eigentlich ist und wie wir sie umsetzen können.

Ich möchte außerdem den Mutterbegriff erweitern und mich nicht nur an Frauen wenden, die im wahrsten Sinne des Wortes Babies gemacht haben, also schwanger sind oder bereits lebende Kinder haben. Hier sollen sich auch all diejenigen angesprochen fühlen, die im Herzen Eltern sind.
 
Mutterschaft ist kein Privileg, das nur Mütter mit Babies im Arm erhalten. Viele Frauen sind zu Müttern geworden, ohne dass es für alle Welt sichtbar wurde und leiden im Stillen. Bei manchen hat sich der Kinderwunsch nie erfüllt, obwohl sie Monat für Monat gehofft haben, nicht den richtigen Partner gefunden haben, Unmengen an Geld investiert haben, körperliche Unannehmlichkeiten, teilweise Demütigungen, auf sich genommen haben. Manche mussten ihr Kind oder sogar mehrere Kinder wieder gehen lassen. Manche haben sich bewusst gegen Kinder entschieden oder es war einfach nie vereinbar mit ihrem Leben. Es gibt viele Gründe.
 
Rein biologisch Mutter zu werden, ist leider nicht für alle Frauen gleichermaßen leicht. Auch und vielleicht gerade diese Frauen brauchen Aufmerksamkeit, Zuwendung, Schutz und ein offenes Ohr (dann, wenn sie das wollen und dazu bereit sind).

Mir ist es ein Anliegen vom Konkurrenzdenken, von Schwarz-Weiß-Malerei, vom Sich-Alleinefühlen, von überhöhten Performance-Ansprüchen an sich selbst und von Verurteilung anderer und so vielem mehr wegzukommen und dahin zu gelangen, sich und andere so anzunehmen, wie man ist und sein möchte.

Gemeinschaftlich zu denken und zu handeln kann gerade für Mütter und Frauen wahnsinnig befruchtend, präventiv, befriedend, hilfreich und befreiend sein!

Ich freue mich über Feedback, Kommentare und Interesse an meiner Arbeit – eben auf einen guten Anfang!

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